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Eine Lok wie aus dem Bilderbuch: Mit ihren kompakten, gedrungenen Formen erinnert die württembergische Fc an so manche Illustrationen, in denen es um die Darstellung einer typischen Dampflok geht. Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an die alten Warnschilder für einen unbeschrankten Bahnübergang - hier schien die Fc ebenfalls Pate gestanden zu haben. So "putzig" die kleine Lok aus heutiger Sicht erscheinen mag - zur Zeit ihrer Entstehung repräsentierte sie durchaus den damaligen Stand der Technik.
Optik
Die äußere Erscheinung des Vorbilds wird von dem Brawa-Modell hervorragend getroffen - das ist jedenfalls der erste Eindruck. Die Proportionen stimmen, die wichtigsten Abmessungen von Kessel, Führerhaus und Tender wurden korrekt ins Modell übertragen. Die Handläufe am Kessel, das Sicherheitsventil der Bauart Ramsbottom sowie die Stellstange und die Luftpumpe auf der Lokführerseite sind als separate Teile angesetzt. Allerdings fehlen an der Luftpumpe die Dampfzu- und -ableitung. Einige Teile wie die Pfeife auf dem Führerhausdach sind extrem zierlich und daher in hohem Maße bruchgefährdet; dies trifft vor allem auf das noch selbst zu montierende kleine Ventil auf dem Dampfdom zu. Hier empfiehlt es sich außerdem, das vorhandene Loch mit einem 0,5-mm-Bohrer aufzubohren, da sich das Teil sonst nicht einstecken lässt.
Gut gelungen ist die Nachbildung des zweiachsigen Tenders der württembergischen Bauart XIV Fu. Die Rahmenwangen mit den Öffnungen für die Achsfedern sind durchbrochen ausgeführt; auf der Heizerseite fehlen auch nicht die Nachbildungen der beiden Hebewinden (beim Vorbild sprang eine Achse anscheinend öfter mal aus dem Gleis ...).
Lackierung und Beschriftung sind tadellos; die Nummernschilder sind jedoch nicht erhaben ausgeführt, sondern auf eine etwas stärker glänzende Fläche gedruckt. Hier hält man sich bei Brawa die Möglichkeit offen, ohne Formänderungen auch die Länderbahn-Variante produzieren zu können.
Die Nachbildung der Steuerung besteht im Wesentlichen aus geätzten Blechteilen, lediglich der Kreuzkopf und die Kreuzkopfführungen bestehen aus Kunststoff. Da hier von Brawa der Kreuzkopf der württ. T3 verwendet wurde, weist er trotz der richtigerweise nicht vorhandenen Lenkerstange samt Voreilhebel fälschlicherweise den Lenkeransatz mit der Bohrung für den Gelenkbolzen auf. Das Vorbild besaß eine innen liegende Steuerung, die von außen so gut wie überhaupt nicht zu sehen war. lk
Technik
Eine gute konstruktive Durchgestaltung eines Lokmodells zeigt sich auch daran, dass es für Wartungsarbeiten problemlos zerlegt werden kann - beim vorliegenden Modell ist dies leider nicht ganz gelungen. Zum Abheben des Kessels samt Führerhaus müssen auf der Unterseite drei Schrauben gelöst werden. Dabei ist die vordere Schraube mit M 1,6 noch "handlich" gegenüber den beiden hinteren Winzlingen mit M 1,2. Hier hätten die seitlichen Verdickungen am Stehkessel im Führerhaus (die man ohnehin nicht sieht) auch für ein größeres Gewinde ausgelegt werden können. Daher gestaltet sich das Abheben von Kessel und Führerhaus etwas schwierig. Die Nachbildung der Steuerstange steckt recht stramm in der Durchführung der Führerhausvorderwand, der Gelenkpunkt des angespritzten Führungshebels steckt zudem mit einem kleinen Zapfen im Umlauf. Hier ist Bruch leider vorprogrammiert.
Auch das spätere Wiederaufsetzen des Gehäuses ist nicht einfach. Die beiden "Seitenwände" als Verlängerung des Kessels nach unten gleiten nicht in die entsprechende Öffnung im Umlaufblech. Das saubere und sichere Aufsetzen auf den Rahmen gelingt erst, wenn gleichzeitig auf beiden Seiten der Umlauf seitlich nach unten gedrückt wird - dann muss aber im selben Moment die Steuerstange wieder in ihren Schlitz im Führerhaus gesteckt werden. Es gibt Hersteller, da kann man das Gehäuse nach dem Lösen einer Schraube ohne Hakeln und Klemmen abheben und wieder aufsetzen ...
Die Nachbildung des Kessels und ein extra eingesetztes Gewicht bestehen aus Zinkdruckguss, das separat angesetzte Führerhaus aus Kunststoff. Der Fahrzeugrahmen besteht gleichfalls aus Zinkdruckguss, darauf befindet sich der Umlauf aus Kunststoff. Tenderfahrwerk und -gehäuse bestehen komplett aus Kunststoff, ein Ballastgewicht aus Zinkdruckguss dient gleichzeitig der Aufnahme einer kleinen Leiterplatte mit der seriellen Schnittstelle nach NEM 652 und bietet den Raum für den Einbau eines Decoders.
Zum Antrieb der Lok wurde ein offener, dreipoliger Motor mit Schwungscheibe eingesetzt. Er treibt über ein Schnecken-/Stirnradgetriebe die Treibachse und die hintere Kuppelachse an; die vordere Kuppelachse wird über die Kuppelstangen mitgenommen. Die Stromabnahme erfolgt von allen Rädern, bei den einseitig isolierten Radsätzen der Lok, die in Messingbüchsen gelagert sind, über geschickt getarnte Schleifkontakte an der Rückseite der isolierten Treibräder. Die spitzengelagerten Tenderradsätze haben mittig isolierte Halbachsen. Dies ermöglicht eine schleiferlose Strom-abnahme über die beiden Achslagerbleche.
Die Kupplungsdeichsel zwischen Lok und Tender enthält die sechspolige elektrische Verbindung zwischen Lok und Tender sowie eine einseitige Kulisse, die einen knappen vorbildgerechten Abstand ermöglicht.
Nach Anlegen der Fahrspannung setzt sich das Modell bei sehr geringer Spannung ohne Taumeln in Bewegung und lässt sich bis zur fast vorbildgerecht niedrigen Endgeschwindigkeit gut regeln. Ein leicht pfeifendes Antriebsgeräusch ist das (durchaus erträgliche) Tribut an die korrekte Höchstgeschwindigkeit, die wegen der hohen Drehzahl des Motors nur mit großer Übersetzung möglich ist.
In diesem Zusammenhang ist der gemessene Auslauf von einer halben Loklänge bei Abschaltung der Referenzspannung von 12 V kein schlechter Wert. Dank der zwei Haftreifen auf der hinteren Kuppelachse ist die Zugkraft durchaus angemessen und ausreichend für vorbildgerechte Zuggarnituren. An der Lok kann das vordere Rahmenstück gegen ein geschlossenes Teil ohne Kupplung getauscht werden. Ein schwenkbarer Normschacht kann (neben der mitgelieferten Bügelkupplung) auch andere Kupplungen aufnehmen. Die Stirnbeleuchtung erfolgt mittels sockelloser Miniaturbirnchen spannungs- und fahrtrichtungsabhängig.
Fazit
Mit der württembergischen Fc ist Brawa wieder ein optisch wie technisch hervorragendes Modell gelungen. Die formtechnische Aufteilung des Lokgehäuses gestattet auch noch weitere Varianten: die mit identischem Kessel, Führerhaus und Tender ausgestatteten 1B-Loks der Reihe Ac.
Lassen wir uns überraschen. bz
Maßtabelle württembergische Fc von Brawa in H0
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Länge über Puffer: | 14 102 | 162,1 | 161,6 |
| Oberkante Schlot über SO: | 3 937 | 45,3 | 45,3 |
| Kesselmitte über SO: | 1 800 | 20,7 | 20,8 |
| Pufferhöhe über SO: | 1 040 | 12,0 | 11,9 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,2 |
| Pufferlänge: | 610 | 7,0 | 6,2 |
| Breite Umlauf am Führerhaus: | 2 900 | 33,3 | 33,4 |
| Zylindermittenabstand: | 1 950 | 22,4 | 23,1 |
| Gesamtachsstand: | 9 850 | 113,2 | 113,5 |
| Achsstand Lok: | 3 200 | 36,8 | 37,4 |
| Abstand Vorderkante Puffer zu Kuppelachse 1: | 2 644 | 30,4 | 29,5 |
| Abstand Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 1 895 | 21,8 | 21,3 |
| Abstand Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 1 305 | 15,0 | 16,1 |
| Achsstand Tender: | 3 000 | 34,5 | 34,5 |
| Durchmesser Treib- und Kuppelräder: | 1 230 | 14,1 | 14,0 |
| Durchmesser Tenderräder: | 1 045 | 12,0 | 12,0 |
| Speichenzahl Treib- und Kuppelräder: | 12 | - | 12 |
| Speichenzahl Tenderräder: | 10 | - | 10 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM | |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3 | 14,3 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2 | 1,0 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,7 |
| Radbreite: | - | 2,8 | 2,8 |
Messwerte wü. Fc von Brawa
| Gewicht Lok: | 166 g |
| Gesamtgewicht mit Tender: | 224 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 62 g |
| 3% Steigung: | 58 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 52 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 45 km/h bei 11 V |
| Vmin: | ca. 1,9 km/h bei 1,3 V |
| NEM zulässig: | 63 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 78 mm |
| aus VVorbild: | 61 mm |
| Lichtaustritt: | ab 17,4 km/h bei 5 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 14,4 mm |
| Länge: | 4,0 mm |
| Preis: | ca. DM 400,- |
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