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Mit dem Modell der BR 101 hat man sich bei Fleischmann scheinbar etwas Zeit gelassen. Daß diese aber gut genutzt wurde, macht schon der erste Eindruck deutlich. Hier steht ein Modell vor uns, das den Gesamteindruck der verkehrsroten Serienausführung hervorragend wiedergibt.
Optik
Eine moderne Ellok hat zwar keine Dachausrüstung im herkömmlichen Sinne mehr, dennoch lohnt sich der Blick auf das Dach des Modells. Die Stromabnehmer vom Typ DSA-350 S stammen von Sommerfeldt und kommen dem Vorbild bei den Hauptabmessungen recht nahe. Sie sitzen auf den auch farblich korrekt nachgebildeten Stützisolatoren, wodurch sich im abgesenkten Zustand eine erfreulich niedrige Bauhöhe ergibt. In der Nähe jedes Stromabnehmers befinden sich in vorbildgerechter Lage Hochspannungsdurchführung und Überspannungsableiter, deren Isolatoren korrekt wiedergegeben sind. Die an den Isolatoren gleich mit angespritzten Anschlußleitungen können vom Perfektionisten mit einem Pinselstrich das richtige Aussehen der beim Vorbild flexiblen Kupferleitungen erhalten. Bestechend auch die feine Durchbildung der Typhone. Ebenfalls korrekt sind die Ansaugöffnungen für die Motorlüfter und Hilfsbetriebe in der Dachschräge.
Das Gesicht des Lokmodells besticht durch ein präzise eingesetztes und sauber bedrucktes Stirnfenster. Die Griffstangen an der Frontseite sind nicht extra angesetzt und dadurch maßstäblich ausgeführt, was dem Gesamteindruck zugute kommt. Gleiches gilt für die zierlichen Aufstiegsgriffstangen an den Führerstandstüren. Sie sind absolut gerade, die Befestigungspunkte sind korrekt ausgebildet. Daher konnte auch die Fahrzeugbreite im Bereich der Griffstangen exakt eingehalten werden.
Ebenfalls korrekt ist die Nachbildung der Einteilung der unteren Seitenverkleidung, in die separat eingesetzte Sandkästen integriert sind. Auch die unterhalb der Seitenverkleidung angeordnete Trittstufe konnte nachgebildet werden, weil das Relief der Drehgestellblenden etwas flacher gehalten wurde. Hinter der sehr exakten Nachbildungen der Radsatzlager mit ihren Anlenkungen und der Halterungen für die Sandfallrohre gibt es noch eine zweite Ebene. Am Drehgestellrahmen kann man zwischen den Rädern die Nachbildung der Antriebsmotoren erkennen. Die Befestigung der Hohlwelle an der entsprechenden Radscheibe wurde ebenfalls nachgebildet. Nicht zu übersehen sind die separat angesetzten Nachbildungen der Zugstangen einschließlich der LZB-Sende-/Empfangsgeräte. Diese LZB-Geräte finden sich auch noch mal im Bereich der Bahnräumer. Eine Augenweide sind die über den Puffern angebrachten durchbrochenen Trittroste. Die nachgebildeten Führerstandseinrichtungen mit einem Lokführer im Führerstand 1 runden das hervorragende Erscheinungsbild ab.
Die saubere Lackierung entspricht in den Farbtönen korrekt der ab der Serien-Nr. 004 vorgeschriebenen Farbgebung. Hervorzuheben ist die vorbildgerechte graue Lackierung der Führerstandsrückseite im Dachbereich wie auch der Unterkante des Gehäuses. Ein besonderer Gag ist die Nachbildung der nur im Randbereich lackierten Pufferteller des Vorbildes. Die Beschriftung ist in allen Einzelheiten typographisch und inhaltlich korrekt.
Technik
Erstmals bei einer Drehgestell-Lok verwendet Fleischmann einen längs eingebauten Motor, der über Kardanwellen alle Achsen antreibt. Eine Technik mit gravierenden Vorteilen: Ein großer und leistungsstarker Motor kann problemlos untergebracht werden. Die Antriebsleistung kann auf alle Achsen übertragen und die Selbsthemmung des Schneckengetriebes durch eine richtig dimensionierte Schwungmasse kompensiert werden.
Der von Fleischmann verwendete fünfpolige Bühler-Motor ruht in einem massiven Zinkdruckgußrahmen. Auf beiden Wellenenden befindet sich je eine Schwungscheibe. Bei der Drehgestellkonstruktion wurde auf das bewährte Prinzip der Baugröße N zurückgegriffen. Die Achse des Schneckenrades dient gleichzeitig der Drehgestellführung in seitlichen kreisförmigen Segmenten als Ersatz eines Drehzapfens. Das Herausfallen dieser Achse wird durch die Seitenwände des Lokgehäuses verhindert.
In die Drehgestellrahmen aus Kunststoff sind erstmalig bei einem Lokmodell von Fleischmann die fertigen Radsätze eingelegt und durch eine Abdeckplatte gesichert. Endlich kann man auch bei Fleischmann komplette Radsätze aus einem Lokmodell ausbauen ...
Auf elegante Weise werden die elektrischen Verbindungen ohne Kabel über Schleifer und Kontaktbleche hergestellt. Schleifer an allen Rädern sorgen für eine zuverlässige Stromabnahme. Eine serielle Schnittstelle für einen FMZ-Decoder, der allerdings eingelötet werden muß, ist ebenfalls vorgesehen. Ob man sich damit einen Gefallen getan hat, daß auf die Standard-Steckverbindung für die am Markt dominierenden Digitalsysteme verzichtet wurde, sei dahingestellt.
Das Modell verfügt über hervorragende Laufeigenschaften über den gesamten Regelbereich. Die Zugkraft liegt für eine vierachsige Drehgestell-Lok über dem Durchschnitt; die Traktionsaufgaben können sicher auf jeder Anlage erfüllt werden.
Die gemessene Höchstgeschwindigkeit von umgerechnet 260 km/h liegt noch im nach NEM zulässigen Bereich; der Auslauf bei der Referenzspannung ist dabei gewaltig, reduziert sich jedoch auf "normale" 362 mm bei korrekter Höchstgeschwindigkeit. Beim fahrtrichtungsabhängigen Lichtwechsel erscheint das rote Schlußsignal korrekt in den äußeren Stirnlampen. Bei Fleischmann mittlerweile selbstverständlich ist die Kurzkupplungskinematik, die sich wie immer durch Leichtgängigkeit bei hoher Präzision auszeichnet.
Fazit
Ein gelungenes Modell, an dem einfach alles stimmt. Ein besonders Lob verdient Fleischmann für das gelungene neue Antriebskonzept. bz
Maßtabelle BR 101 von Fleischmann
| | Vorbild | 1:87/NEM | Modell |
| Länge über Puffer: | 19 100 | 219,5 | 219,4 |
| Höhe Dachoberkante über SO (OK Dachhauben): | 4 045 | 46,5 | 46,4 |
| Gesamthöhe Oberkante (Stromabnehmer gesenkt): | 4 370 | 50,2 | 52,4 |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,1 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 19,9 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 7,0 |
| Breite Lokkasten: | 2 950 | 33,9 | 34,0 |
| Breite über Griffstangen: | 3 062 | 35,2 | 34,8 |
| Gesamtachsstand: | 13 600 | 156,3 | 156,3 |
| Drehgestell-Achsstand: | 2 650 | 30,5 | 30,5 |
| Drehzapfenabstand: | 10 950 | 125,9 | 125,8 |
| Raddurchmesser: | 1 250 | 14,4 | 14,4 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,2 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,2 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,9 |
Meßwerte BR 101 von Fleischmann
| Gewicht Lok: | 469 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 164 g |
| 3% Steigung: | 151 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 260 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 220 km/h bei 10 V |
| Vmin: | ca. 11 km/h bei 1,8 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 523 mm |
| aus VVorbild: | 362 mm |
| Lichtaustritt |
| vorn: | ab 110 km/h bei 6 V |
| hinten: | ab 110 km/h bei 6 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 2 |
| Durchmesser: | 20,8 mm |
| Länge: | 5,0 mm |
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