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BR 22

 
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Nur Rahmen und Radsätze blieben beim Vorbild von den Dreizylindermaschinen der Baureihe 39 übrig, nach dem sie zur Baureihe 22 rekonstruiert waren. Im Modell konnte nicht mal der Rahmen weiterverwendet werden, da durch die Verlängerung hier eine neue Form notwendig geworden war. Dafür ließen sich zumindest die Räder und der bereits bei vorherigen Baureihen eingesetzte 2'2' T 34-Tender weiterverwenden.

Konzentrieren wir uns also auf das Markante des Modells, den Aufbau. Das "Gesicht" der Lok wird bestimmt durch die steile Schürze, die Rauchkammertür mit separat eingesetztem Handrad und den Mischvorwärmeraufsatz. Innovativ ist die Beleuchtung hinter der Schürze: Hier stört kein volumiger Lichtleitkörper den freien Durchblick. Vielmehr trägt eine dünne Platine exakt hinter den Lampengehäusen angelötete SMD-Leuchtdioden. Leider wurden hier aus Kostengründen gelbe LEDs verwendet. Zusätzlich sind die Glaseinsätze der Lampen gelb eingefärbt. Diese Kombination führt zu einem sehr intensiven Gelb, das eher den Eindruck einer tranfunzeligen Öllampe als einer elektrischen Beleuchtung vermittelt.

Beiderseits des Langkessels kann sich der Betrachter an vielen frei stehenden Leitungen, Stellstangen und Griffstangen erfreuen. Lediglich einige Schmierleitungen, Elektroleitungen und die Auslösezüge für Pfeife und Sicherheitsventile sind angraviert. Die Griffstangen bestehen aus Draht und sind daher völlig gerade. Leider nicht durchbrochen geformt sind bei Fleischmann traditionsgemäß die Handräder der Ventile.

Für die Darstellung des Sandkastendeckels mit überstehender Blechkante ist ein separates Teil eingesetzt. Dieser Aufwand wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, haben doch die Kessel der 22 überwiegend Sandbehälter mit abgerundeten Ecken. Immerhin konnte aber so der auffällige Anspritzpunkt der Form perfekt getarnt werden.

Auf dem Dach ist das DR-typische Schutzgitter über den Deckenfenstern äußerst filigran aus Kunststoff gespritzt. Dennoch ist der Rahmen des Gitters so stabil, dass die Maschine zu Wartungszwecken auch mal aufs Dach gelegt werden kann ohne Beschädigungen befürchten zu lassen.

Bei Dreizylinderlokomotiven ist immer auch die Nachbildung des Innentriebwerks interessant. Hier hat Fleischmann im Bereich des sehr schön detaillierten Rauchkammersattels die Kolbenstangenschutzrohre von Innenzylinder und Schieber wie auch den Schieberkreuzkopf nachgebildet. Die Bauteile sind als Silhouette dank des freien Durchblicks gut sichtbar. Wie immer bei Fleischmann-Dampfern mit Vorlaufachse fehlen leider die äußeren Kolbenstangenschutzrohre, die auf Grund der hauseigenen Philosophie auch nicht als Zurüstteil beiliegen.

Räder und Steuerung entsprechen weitgehend der bekannten P 10-Ausführung. Lediglich Schieberstange und Schwinge sind nun auch detailreich aus Kunststoff gefertigt. Etwas inkonsequent erscheint die neusilberblanke Steuerung in Kombination mit den schwarzvernickelten Radreifen, zumal auch die von der P 10 beibehaltenen Trittstufen unterhalb der Kreuzkopfbahnen dunkel eingefärbt sind.

Schweift der Blick nach hinten, bleibt er unweigerlich am Aschkasten hängen, dessen Luftklappen nebst den Betätigungsstangen sehr fein graviert sind. Nicht minder gelungen die filigranen Elektroleitungen unter dem Umlauf und die Pumpen, deren Oberkanten nicht über den Umlauf hinausragen.

Die Beschriftung von Lok und Tender ist lupenrein gedruckt. Angravierte Schilder zur Eigentumsangabe und Loknummer sind dabei silbern bedruckt, während die weiteren Angaben in einem zusätzlichen Druckvorgang weiß dargestellt sind. Besonders gelungen: Die exakte Positionierung der Bremsanschriften auf der schmalen Umlaufkante! Winzig klein auch die rote Schrift auf der Warntafel mit dem Totenkopf: "Vorsicht! Kein Trinkwasser" - was inhaltlich nicht überraschen kann, ist doch im Tender statt Wasser ein Motor ...
MK

Technik

Dieser Motor treibt in bekannter Weise die jeweils äußeren Achsen an, deren Räder alle mit Haftreifen belegt sind. Die bewährte Bauweise des schon bei den BRen 41 und 03 verwendeten Tenders garantiert hohe Zugkräfte bei exzellentem Fahrverhalten. Die Vorbildgeschwindigkeit wird zwar leicht überschritten, das Auslaufverhalten bewegt sich aber durch eine richtig dimensionierte Schwungscheibe in vernünftigen Grenzen.

Vertraute Technik auch bei der Lok, denn die von der BR 39 stammenden Radsätze lassen sich wie zu alten Zeiten nicht aus dem Rahmen nehmen. Dieser Rahmen besteht aus Zinkdruckguss, Kessel, Führerhaus und Umlauf aus Kunststoff. Ein Ballastgewicht im Kessel sorgt für eine ordentliche Auflage des Fahrwerkes, dessen äußere Kuppelachsen starr im Rahmen gelagert sind, während die mittleren Achsen Höhen- und Seitenspiel haben.

Alle Treibräder werden durch Blechschleifer zur Stromabnahme herangezogen, die von hinten an den Radreifen arbeiten und von außen nicht sichtbar sind. Achsschleifer an der Vor- und Nachlaufachse sorgen für zusätzliche Stromabnahme über das jeweils nicht isolierte Rad. Zusätzliche Kontaktpunkte ergeben sich durch die Stromabnahme von den beiden inneren Tenderachsen, die vertikal beweglich und abgefedert sind.

Elektrische Verbindungen treten zwischen Lok und Tender nicht in Erscheinung, denn die notwendigen Kabel sind sauber in der Kupplungsdeichsel verlegt, die beidseitig mit einer Kulisse ausgestattet einen optimal kurzen Abstand ermöglicht.

Die sechspolige Schnittstelle nach NEM 651 befindet sich im Bereich des Stehkessels. Ein speziell ausgebildeter Messingwinkel dient der Aufnahme des Decoders. Zur Montage an dieser Stelle können nach dem Lösen von drei Schrauben Kessel und Führerhaus als eine Einheit leicht und ohne Hakeln nach oben abgenommen werden. Der Umlauf bleibt dabei auf seinem Platz.

Die innovative Verwendung von Leuchtdioden in SMD-Technik an der Frontschürze führt zu hoher Lichtintensität bei geringstem Raumbedarf. Wegen der gelben Farbe der LEDs musste allerdings die durch ein weißes Glühbirnchen gespeiste (und somit eigentlich farblich korrekte) Tenderbeleuchtung durch Verwendung von gelben Lichtleitern angepasst werden.

Tender und Stirnseite der Lok tragen einen kulissengeführten Normschacht. Damit ist das Modell vorwärts wie rückwärts universell einsetzbar.
bz

Fazit

Fleischmann hat - konsequent seiner Firmenphilosophie folgend - die 22 der Deutschen Reichsbahn sehr solide konstruiert. Bleibt die Frage, ob eine korrekte Beleuchtung - mit freilich recht teuren weißen LEDs - den Käufern nicht doch einen etwas höheren Kaufpreis wert gewesen wäre.

Maßtabelle Baureihe 22 in H0 von Fleischmann

 Vorbild1:87Modell
Längenmaße
Länge über Puffer:23 700272,41272,50
Lok-Tender-Abstand:1551,782,10
Puffermaße
Pufferlänge:6507,477,30
Puffermittenabstand:1 75020,1120,00
Pufferhöhe über SO:1 05012,0712,30
Höhenmaße über SO
Oberkante Schornstein:4 55052,3052,40
Kesselmitte:3 10035,6335,60
Breitenmaße
Breite Führerhaus:3 05035,0635,30
Zylindermittenabstand:2 25025,8628,10
Achsstände
Gesamtachsstand:12 150139,66139,90
Vorlaufachse zu Kuppelachse 1:2 80032,1832,10
Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2:2 00022,9923,10
Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3:2 00022,9923,10
Kuppelachse 3 zu Kuppelachse 4:2 00022,9923,10
Kuppelachse 4 zu Nachlaufachse:3 35038,5138,50
Achsstände Tender
Gesamtachsstand:5 70065,5265,40
Achse 1 zu Achse 2:1 90021,8421,80
Achse 2 zu Achse 3:1 90021,8421,80
Achse 3 zu Achse 4:1 90021,8421,80
Raddurchmesser
Vorlaufräder:1 00011,4911,50
Treib- und Kuppelräder:1 75020,1120,30
Nachlaufräder:1 10012,6412,80
Tenderräder:1 00011,4911,50
Speichenzahl
Vorlaufräder:10-10
Treib- und Kuppelräder:18-18
Nachlaufräder:10-10
Tenderräder:--12
Radsatzmaße entsprechend NEM&nsbp;NEM 
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,30
Spurkranzhöhe:-1,2max1,20
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,90
Radbreite:-2,8min2 90

Messwerte BR 22

Gewicht Lok/Tender:287/282 g
Haftreifen:4
Messergebnisse Zugkraft
Ebene:315 g
3% Steigung:279 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 137 km/h bei 12 V
VVorbild:110 km/h bei 9,2 V
Vmin:ca. 6,5 km/h bei 1,6 V
NEM zulässig:154 km/h bei 12 V
Auslauf
aus Vmax:293 mm
aus VVorbild:183 mm
Stromaufnahme
Lokleerfahrt (12 V)160 mA
bei max. Zugkraft:300 mA
Lichtaustritt:ab 32 km/h bei 3,5 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 21,6 mm
Länge:4,9 mm
Ungefährer Preis:DM 430,-

 

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