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Die Frage "Was soll der Modellbahner mit noch einer 41er?" ist nicht ganz korrekt, handelt es sich bei der Fleischmann-Lok ja um eine BR 41 mit Altbaukessel. Diese vielseitig einsetzbare Maschine dürfte dem Modellbahner entgegenkommen, zumal Optik und Fahreigenschaften für sich sprechen.
Irgendwie ist es schon seltsam. Da packt man ein frisch eingetroffenes Besprechungsexemplar für eine Fotosession aus und sieht es sofort vor dem geistigen Auge mit allen möglichen Zuggattungen über die Anlage dampfen. Die gleichmäßig seidenmatte Farbgebung der Güterzuglok spricht ebenso an wie das satte Rot des Fahrwerks. Ursache ist die durchgehende Lackierung selbst der eingefärbten Kunststoffteile - eine Maßnahme, die unschönen Plastikglanz wirkungsvoll verhindert.
Auch näheres Hinsehen ist lohnend: Viele feine Details, wie freistehende Leitungen, machen sich positiv bemerkbar. Die Detailfülle des Kessels ist ja schon von der BR 03 her bekannt. Und da BR 03 und BR 41 - vermeintlich - den gleichen Kessel haben, hätte man bei Fleischmann nur ein neues Fahrwerk bauen müssen. Doch weit gefehlt! Die Kessel sind zwar identisch, nicht aber die Leitungen und Details.
So mußte wegen der Anzahl der Sandfallrohre eine neue Form für die freistehenden Leitungen gefertigt werden. Der Schlot bleib auch nicht an seinem Platz, sondern wurde um 1,3 mm nach hinten versetzt. Der Kessel besaß gegenüber der BR 03 eine weitere Waschluke je Seite. Diese ist im Modell durch eine zusätzliche Abdeckhaube auf der Kesselverkleidung dargestellt. Der Aschkasten wurde ebenfalls geändert und erhielt zusätzliche Luftzuführungen. Das Führerhaus entspricht dem der BR 03. Die Elektroleitungen unter dem Umlaufblech sind weitgehend nachgebildet. Es fehlen auch nicht die Lampenattrappen der Triebwerksbeleuchtung.
Angesichts der anderen Achsfolge wurde ein neuer Rahmen entwickelt. Dieser wurde gegenüber der BR 03 weiter verbessert und zeigt jetzt tiefere Aussparungen im Barrenrahmen zwischen letzter Kuppel- und Schleppachse. Die Bremsanlage der Treibräder ist korrekt nachgebildet. Zwischen den drei letzten Kuppelrädern findet man eine Scherenbremse, sonst nur eine einseitig wirkende Bremse. Den Rädern der Vorlauf- und Schleppachse fehlen richtigerweise die Bremsen. Die Räder der Schleppachse hätte man sich etwas größer gewünscht.
Ebenfalls neu sind der Zylinderblock und die Nachbildung der Dampfeinströmkanäle. Damit die Lok auch kleine Radien durchfährt, verzichtete man auf die Nachbildung der Kolbenstangenschutzrohre. Zentrische Bohrungen im Zylinder erlauben jedoch die Nachrüstung mit Kolbenstangenschutzrohren z.B. von Weinert. Die vorhandenen Bohrungen müssen evtl. etwas aufgebohrt werden. Durch die tieferliegenden Zylinder fällt der undetaillierte Rauchkammersattel deutlicher als bei der BR 03 auf. Zudem glänzt er noch unschön.
An der Steuerung findet man nicht nur selbstverständlich andere Kuppel- und Treibstangen, sondern sogar einen neuen Kreuzkopf. Auch Voreilhebel und die nun aus Kunststoff bestehende Lenkerstange sind ebenfalls neu.
Die lupenreine Beschriftung entspricht dem hohen Fertigungsstandard bei Fleischmann. Eine Besonderheit sind die beiden roten Punkte auf den Führerhausseitenwänden: ein Punkt bedeutet, daß die Vorbildlok eine Stahlfeuerbüchse besaß, während der zweite Punkt den nicht alterungsbeständigen Kesselbaustahl St47K kennzeichnet. Wegen des Indusikastens auf der Lokführerseite - in der rechten Führerhauswand eingelassen - ist die Plazierung der Beschriftung auf den Führerhausseitenwänden unterschiedlich. gp
Technik
Aus naheliegenden Gründen ist das Modell der BR 41 - analog zum Vorbild - auch technisch in vielen Punkten mit dem vor drei Jahren erschienenen Modell der BR 03 identisch.
Dies trifft zuerst einmal für den prinzipiellen Aufbau der Lok zu. Ein Metallrahmen, in den die Treib- und Kuppelradsätze leider immer noch fest eingebaut sind und sich daher nicht aus dem Rahmen nehmen lassen. Darauf das aus Kunststoff bestehende Gehäuse, das mit drei Selbstschneideschrauben befestigt ist. Ein Ballastgewicht im Kessel sorgt für das notwendige Gewicht, um einen runden Lauf des geschobenen Triebwerkes und die Stromabnahme von allen Treibrädern sicherzustellen. Eine möglichst große Basis für die Stromabnahme wird erreicht, indem auch die jeweils nicht isolierte Seite der Vor- und Nachlaufrades (vorne rechts, hinten links) zur Stromabnahme herangezogen wird.
Lok und Tender sind kurzgekuppelt. Innerhalb der in einer Kinematik geführten Kupplungsdeichsel verläuft die zweipolige elektrische Verbindung zwischen Lok und Tender. Außerdem ist Platz für weitere Adern.
Da der Tender vorbildgerecht mit dem der BR 03 identisch ist, trifft dies folglich auch für die Technik des Modells zu. Unter dem mit drei Schrauben befestigten Tendergehäuse aus Kunststoff findet sich ein Fahrwerk aus Druckguß, in dem der Bühler-Motor durch eine Blechklammer gehalten wird.
Über ein kombiniertes Schnecken-/Stirnradgetriebe werden die äußeren beiden Achsen angetrieben, die mittleren beiden Achsen sind höhen- und seitenbeweglich gelagert. Gut versteckte Schleifkontakte auf der Rückseite dieser Räder dienen der Stromabnahme.
Bedingt durch die niedrigere Vorbildgeschwindigkeit gegenüber der BR 03 wurde lediglich das Getriebe geändert, was zu einer zwar geringeren, im Vergleich zum Vorbild aber immer noch leicht überhöhten Endgeschwindigkeit führt. Trotzdem blieb das Geräuschniveau im gesamten Regelbereich gewohnt niedrig.
In der Folge dieser minimalen Geschwindigkeitsdifferenz war auch nicht zu erwarten, daß die Messung der Zugkraft zu neuen, überraschenden Ergebnissen führte. Das Meßergebnis lag bei unserem Testmuster leicht unter dem Wert, den wir damals beim Modell der BR 03 gemessen hatten. Bei gleichem Reibungsgewicht - und das ist ausschlaggebend - gibt es offenbar immer einen Streubereich, der sich aus der Kombination der verschiedenen Bauteile in Verbindung mit Fertigungstoleranzen ergibt. Dennoch muß festgehalten werden, daß die erreichte Zugkraft von über 200 g durch konsequente Umsetzung des richtigen Konzeptes angesichts des begrenzten Gewichts des Tenders in Verbindung mit nur zwei angetriebenen Achsen als wirklich ausgezeichnet bezeichnet werden kann.
Ausgezeichnet waren bei unserem Testmuster auch die Langsamfahreigenschaften, die auf große Präzision und hohe Fertigungsqualität schließen lassen. Mit dem gemessenen Minimalwert legte das Modell mehrfach eine Strecke von 1 Meter völlig problemlos zurück. Die groß dimensionierte Schwungscheibe sorgt zudem für ein gutes Auslaufverhalten auch bei Vorbildgeschwindigkeit.
Die mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirnbeleuchtung erfolgt über je ein Stecksockelbirnchen, das sich sowohl in der Lok als auch im Tender lötfrei wechseln läßt. Die für das Wechseln der Glühbirne günstige Anordnung unterhalb des Schornsteins hat allerdings zur Folge, daß es keine Einbaumöglichkeit für einen Dampferzeuger gibt.
Auch die Schnittstelle nach NEM 652 sucht man vergebens. Statt dessen gibt es das Modell auch mit eingebautem Decoder für das FMZ-Digitalsystem (dann übrigens mit der Betriebsnummer 41 352).
Selbstredend, daß der Tender auch wieder einen Normschacht mit Kinematik aufweist. Hervorzuheben ist aber, daß hier auch die Lok einen Normschacht besitzt, der - in Verbindung mit den beweglich ausgeführten Bahnräumern - ebenfalls in einer Kinematik geführt wird und technisch sehr gut gelöst wurde. Die zugehörige Kupplung liegt dem Modell übrigens lose bei.
Fazit
Ein Dampflokmodell, das sich auf Grund des hohen Qualitätsstandards von Fleischmann durch perfektes Finish und hervorragende Laufeigenschaften auszeichnet. Wenn die glänzenden Neusilber-Steuerungsteile als störend empfunden werden, läßt sich dies mit geringem Aufwand farblich beheben. bz
Maßtabelle BR 41 von Fleischmann in H0
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaß (LüP): | 23 905 | 274,8 | 274,3 |
| Puffermaße |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 19,9 |
| Pufferhöhe über SO: | 1 025 | 11,8 | 12,2 |
| Pufferlänge: | 640 | 7,4 | 7,2 |
| Höhenmasse über SO |
| Schlotoberkante (ohne Aufsatz): | 4 550 | 52,3 | 52,2 |
| Kesselmitte: | 3 100 | 35,6 | 35,7 |
| Gesamtbreite: | 3 050 | 35,1 | 35,3 |
| Zylindermittenabstand: | 2 240 | 25,7 | 26,8 |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 20 175 | 231,9 | 233,7 |
| Achsstand Lok: | 12 050 | 138,5 | 138,2 |
| Achsstand Tender: | 5 700 | 65,5 | 65,4 |
| Vorlaufachse/1. Treibachse: | 3 000 | 34,5 | 34,2* |
| Achsstände je Treibachsen: | 1 850 | 21,3 | 21,2 |
| Hintere Treibachse/Nachlaufachse: | 3 500 | 40,2 | 40,4 |
| Nachlaufachse/1. Tenderachse: | 2 425 | 27,9 | 30,9 |
| Achsstände Tenderachsen je: | 1 900 | 21,8 | 21,9 |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 1 000 | 11,5 | 11,4 |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 600 | 18,4 | 18,3 |
| Nachlaufrad: | 1 250 | 14,4 | 12,8 |
| Tenderräder: | 1 000 | 11,5 | 11,4 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM | |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3 min | 14,2 |
| Radbreite: | - | >2,8 min | 2,8 |
| Spurkranzhöhe: | - | _1,2 max | 1,2 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7- 0,9 | 0,8 |
| Alle Maße in mm |
| *) bedingt durch das Langloch in der Deichsel der Vorlaufachse können hier bei Vorwärts- bzw. Rückwärtsfahrt unterschiedliche Maße auftreten. |
Meßwerte
| Gewicht Lok: | 294 g |
| Gewicht Tender: | 283 g |
| Haftreifen: | 4 |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 245 g |
| 3% Steigung: | 235 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 118 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 90 km/h bei 9 V |
| Vmin: | ca. 2,8 km/h bei 1,2 V |
| Schwungscheibe: | 1 |
| Durchmesser x Dicke: | 21,6 x 5 mm |
| Auslauf bei VVorbild: | 170 mm |
| NEM-Schnittstelle: | nein |
| Decoder: | DCC: Arnold 82201, Lenz LE040, Zimo MX61N. Selectrix: 66832; FMZ: 6844. Auch andere Decoder mit ähnlichen Abmessungen passen in den Stehkessel. |
| Ungefährer Ladenpreis: | DM 350,- |
| Alle Meßwerte sind ca.-Angaben |
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