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Typisch Fleischmann eben, entfährt es dem Kenner, wenn er das Modell erstmals aus der Verpackung nimmt: Ein perfektes Finish mit seidenmatter, makelloser Lackierung und gestochen scharfer Bedruckung fällt als Erstes ins Auge.
Gleich anschließend kann man sich an unzähligen Details erfreuen, die dicht gedrängt am Kessel zu finden sind: Generator, Ventile und Verteilerarmatur sind ebenso frei stehend angesetzt wie sämtliche Leitungen und die beiden Griffstangen an der Rauchkammer. Graviert - und zwar in der gebotenen Feinheit - sind lediglich die eng am Kessel anliegenden Druckluftleitungen für Glocke und Sandstreuer und einige Nieten an der Rauchkammer.
Nieten in vorbildgerecht unterschiedlicher Größe prägen auch das gelungene Bild von Wasserkästen, Führerhaus und Kohlenkasten. Die zahlreichen hier dargestellten Griffstangen sind sämtlich frei stehend, aber dennoch angespritzt - ein Meisterwerk des Formenbaus!
Die Seitenfenster liegen bündig mit der Außenwand im Führerhaus. Da sie außen wie innen völlig plan sind, stören weder Schlieren noch Haltenasen oder zusätzliche Rahmen den freien Durchblick auf die detaillierte Stehkesselrückwand.
Nicht minder raffiniert konstruiert sind die Details unterhalb der Umlauflinie: Hier genügt je Seite ein rot gefärbter Spritzling um von den zierlichen Trittstufen vorn bis zu den Werkzeugkästen hinten alles montagefreundlich darzustellen.
Die Anschriften, von denen lediglich die Betriebsnummer auf erhabenen Schildern dargestellt ist, sind zweifarbig in Weiß bzw. Silber aufgedruckt. Das Untersuchungsdatum ist der 4.4.60, die dazu passende Beheimatung ist richtigerweise das Bw Oldenburg.
Im Fahrwerksbereich sticht ins Auge, dass hier eben keine blanken Teile mehr ins Auge stechen. Erstmals bei einer Fleischmann-Lok ist die Steuerung passend zu den schwarzvernickelten Rädern im gleichen Dunkelbraun gefertigt. Metall- und Kunststoffteile sind dabei farblich exakt aufeinander abgestimmt. Während Treib-, Kuppel- und Schwingenstangen nach wie vor aus gestanztem Blech bestehen, sind sämtliche Elemente der Schiebersteuerung aus filigranen Kunststoffteilen gefertigt. Vorbildlich die Gegenkurbeln, die von störenden Muttern oder Schraubenköpfen verschont blieben. Als besonders filigran muss man zudem die Gelenke der Lenkerstange und die plastische Schwinge hervorheben.
Von sprichwörtlicher Feinheit sind an diesem Fleischmann-Modell wieder die Speichen der Räder, bei denen auch die Darstellung der „Schwimmhäute“ nicht vergessen wurde.
Fleischmann-typisch aber leider auch die Kompromisse, insbesondere im Bereich der - etwas zu hoch liegenden - Pufferträger: Zwar findet man nachrüstbare Kupplungshaken, doch Bremsschläuche sucht man vergebens. Dargestellt sind nur angravierte Flansche.
Optisch zu auffällig schließlich auch die weißen Lampeneinsätze, die nicht wirklich den Eindruck einer Glas- bzw. Streuscheibe wiedergeben. Beleuchtet ist das Modell vorn und hinten mit je drei Leuchtdioden, die zwar völlig wartungsfrei sind, aber mit ihrem intensiv-gelben Licht keine elektrische Glühlampenbeleuchtung darstellen können.
Technik der 81
Das Abnehmen des Lokgehäuses ist nach Lösen von drei Schrauben möglich. Im Führerhaus liegt unterhalb der Sichtkante ein dreipoliger Motor, der seine Kraft über eine Schnecke an das Getriebe abgibt. Das Getriebe hat eine zusätzliche Übersetzungsstufe, liegt nahezu unsichtbar im Bereich des Aschkastens und wirkt auf die Treibachse. Die anderen drei Achsen werden über die Kuppelstangen mitgenommen.
Dieses Antriebskonzept verleiht dem Modell ausgewogene Fahreigenschaften. Die Höchstgeschwindigkeit liegt innerhalb der NEM-Toleranz und zusammen mit der niedrigen Mindestgeschwindigkeit ergibt sich ein weiter Regelbereich. Im oberen Drehzahlbereich ist der Antrieb leise schnurrend zu vernehmen, aber keinesfalls störend. Die gut dimensionierte Schwungmasse sorgt spürbar für ruckfreies Beschleunigen und Auslaufen.
Eine problemlose Kurvenfahrt wird durch die Seitenverschiebbarkeit der zweiten und dritten Achse ermöglicht. Um stets eine Allradauflage zu gewährleisten, sind zweite und vierte Achse zusätzlich in der Höhe federnd gelagert. Die Achsen sind nicht aus dem Rahmen entnehmbar.
Die Stromabnahme erfolgt über Neusilberbleche, die wie immer bei Fleischmann hinter den Radreifen verborgen liegen, von allen acht Rädern. Auch die haftreifenbestückte Treibachse ist hier nicht ausgenommen, da in Kurven die Spurkränze ja auch noch Berührung mit der Schiene haben können.
Während die linke Lokseite noch innerhalb des Rahmens elektrisch an Masse gelegt ist, stellt ein Kontaktblech die Verbindung des anderen Pols zur Stromverteiler-Platine im Kohlenkasten her. Diese Platine ist mit den Kontaktblechen zum Motor versehen. Außerdem sind hier die Leuchtdioden für die rückwärtige Beleuchtung aufgelötet. Ein einzelnes, gut verstecktes Kabel führt zu einer zweiten Platine in der Rauchkammer, die die LEDs für die Frontbeleuchtung trägt.
Die Elektrik ist mit einer sechspoligen Schnittstelle nach NEM 651 ausgestattet. Neben dem Motor ist auf der Heizerseite ein ausreichend großer Platz für einen Decoder vorgesehen. Dieser lässt sich mit einem Klebepad sicher am hier eigens montierten Messingblech befestigen. Die beim Decodereinbau vorzunehmende Änderung der Führerhausrückwand (hier gibt es eine Sollbruchstelle um einen Durchlass für die Kabel zu schaffen) ist in der Anleitung beschrieben.
Die Lok ist an beiden Enden mit einer kulissengeführten Kurzkupplung und NEM-Schächten versehen. Die Höhe von Schächten und Pufferträgern ermöglicht sogar noch eine Darstellung der frei stehenden Kupplergriffe. Vorsicht ist allerdings bei der Abnahme der Bodenplatte geboten: Da die vordere Kupplungsdeichsel ihre Führung in der Platte hat, geht beim Ausbau leicht das hauchdünne Federdrähtchen verloren!
Beim Aufsetzen des Gehäuses muss man beachten, dass die an den Zylindern angespritzten Einströmrohre nicht mit den Umlaufstützen kollidieren. Ansonsten ist die Montage von Gehäuse und Fahrwerk aber ebenso einfach wie bei anderen Fleischmann-Modellen.
Geliefert wird die 81 in der üblichen Tiefziehbox, die das Modell gut vor Beschädigung schützt. Die sechssprachige Betriebsanleitung lässt zu Wartung und Pflege keinerlei Fragen offen.
Fazit
Endlich gibt es ein Großserienmodell einer Einheitsrangierlok, das in Detaillierung wie Fahreigenschaften den heutigen, hohen Anforderungen voll entspricht. Auch die Zugkraft ist für einen vorbildgerechten Einsatz völlig ausreichend.
Selbstverständlich wurden beim Formenbau auch gleich weitere Varianten berücksichtigt, sodass Epoche-II-Freunde sich schon mal auf die DRG-Version - dann natürlich ohne drittes Spitzenlicht und quer vor dem Schlot liegendem Dynamo - freuen dürfen. MK
Maßtabelle BR 81 in H0 von Fleischmann
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 11 080 | 127,4 | 127,8 |
| Höhenmaße über SO |
| Schlotoberkante: | 4 165 | 47,9 | 47,9 |
| Kesselmitte: | 2 700 | 31,0 | 30,8 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 025 | 11,8 | 12,5 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,0 |
| Pufferlänge: | 650 | 7,5 | 7,5 |
| Breitenmaße |
| Gesamtbreite: | 3 050 | 35,1 | 35,0 |
| Zylindermittenabstand: | 2 050 | 23,6 | 26,5 |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 4 200 | 48,3 | 48,3 |
| Abstand Pufferträger vorn zu Kuppelachse 1: | 2 650 | 30,5 | 30,6 |
| Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2: | 1 400 | 16,1 | 16,1 |
| Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3: | 1 400 | 16,1 | 16,1 |
| Kuppelachse 3 zu Kuppelachse 4: | 1 400 | 16,1 | 16,1 |
| Abstand Kuppelachse 4 zu Pufferträger hinten: | 2 930 | 33,7 | 34,0 |
| Raddurchmesser |
| Treib- und Kuppelräder: | 1 100 | 12,6 | 12,5 |
| Speichenzahl | 12 | - | 12 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM | | NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,2 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,2 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 2,8 |
Messwerte BR 81
| Gewicht Lok: | 189 g |
| Haftreifen: | 2 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene vorwärts: | 122 g |
| Ebene rückwärts: | 115 g |
| 3% Steigung vorwärts: | 113 g |
| 3% Steigung rückwärts: | 106 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 62,5 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 45 km/h bei 9 V |
| Vmin: | ca. 4,5 km/h bei 2,7 V |
| NEM zulässig: | 63 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 160 mm |
| aus VVorbild: | 88 mm |
| Stromaufnahme |
| Leerfahrt: | 50 mA |
| Volllast: | 150 mA |
| Lichtaustritt: | ab 19 km/h bei 5 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 13,5 mm |
| Länge: | 4,5 mm |
| Ungefährer Preis: | EUE 175,- |
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