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Wer sich immer noch mit dem Gedanken getragen haben sollte, nach dem MIBA-Bauplan aus Heft 9/61 endlich eine maßstäbliche E 69 selbst zu bauen, kann jetzt endgültig darauf verzichten. Denn nach den überdimensionierten Modellen von Fleischmann und den schon etwas betagten Modellen von Roco, gibt es jetzt von Märklin/Trix ein Modell der E 69 02 und von Brawa das Modell der E 69 03.
So stehen dem Modellbahner zwei verschiedene, wirklich maßstäbliche, dem entsprechenden Vorbild nachgebildete E 69 zur Verfügung. Dies bezieht sich vor allem auf die wesentlichen Unterschiede der beiden Vorbilder: Während bei der E 69 02 die Vorderkante der Vorbauten hinter der Pufferträgervorderkante zurücksteht, ist sie bei der E 69 03 mit der Vorderkante des Pufferträgers in einer Flucht. Auch die Vorbauten unterscheiden sich bei beiden Loks: In Vorbild wie Modell sind sie bei der E 69 02 bei gleichem Neigungswinkel etwas höher als bei der E 69 03. In der Anordnung der seitlichen Klappen gibt es weitere Unterschiede, die bei beiden Modellen nachvollzogen werden können. Woran man aber die beiden Loks auch im Modell sofort unterscheiden kann, sind die Griffstangen. Bei der E 69 02 verlaufen sie auf der Oberseite der Vorbauten und gehen bis über die Stirnseiten nach unten durch. Bei der E 69 03 verlaufen die Griffstangen im oberen Bereich der Vorbauten seitlich und an der Stirnseite befinden sich separate Griffstangen. Die Griffstangen sind bei Brawa feiner und bei Märklin/Trix robuster ausgefallen.
Extraklasse ist bei beiden Modellen das Fahrwerk. Neben der feinen Gravur aller Einzelheiten am Rahmen (bei Brawa sogar mit Andeutung der Motoren) sind alle wichtigen Aggregate separat angesetzt: Sifa-Gerät mit Antrieb, Tachowelle, Luftbehälter mit freiliegenden Leitungen, Luftkühler und Sandkästen. Auch die freistehenden Trittstufen in der Mitte und an den Pufferträgern können sich sehen lassen.
Makellos ist bei beiden Modellen das Finish. Die seidenmatte Lackierung im richtigen Farbton und die saubere Beschriftung, die hinsichtlich Typografie und Inhalt jeweils völlig richtig ist.
An beiden Modellen finden sich Ausrüstungsteile für eine betriebsfähige Museumslok wie UIC-Steckdose, Antenne für Zugbahnfunk und Indusi. Unterschiede dagegen bei der Ausführung der seitlichen Fenster: Bei der E 69 02 wurde 1976 beim Einbau der Indusi auf jeder Seite jeweils das rechte Fenster verschlossen. Das Märklin/Trix-Modell hat Indusi, aber die Fenster sind nicht verschlossen. Bei der E 69 03 wurde ein Fenster schon um 1952 geschlossen, das zweite beim Einbau der Indusi 1976 - so dargestellt beim Brawa-Modell.
Während somit das Brawa-Modell exakt dem Vorbild im jetzigen Zustand als Museumslok (Untersuchungsdatum vom 21.12.93) entspricht, ist das Modell von Märklin/Trix trotz der Bauteile aus neuerer Zeit als Epoche-3-Maschine beschriftet (Revisionsanschrift mit Datum der letzten Bremsuntersuchung: 18.3.55).
Besonders widersprüchlich ist bei Märklin/Trix die Ausführung des Stromabnehmers: Die asymmetrische Anordnung und die Isolierung des Untergestells vom SBS 39, den das Vorbild erst ab 1957 hatte, in Verbindung mit einer Nachbildung des SBS 9, den das Vorbild in symmetrischer Anordnung nur bis 1957 hatte. Die Nachbildung des SBS 39 beim Brawa-Modell entspricht in allen Punkten der heutigen Museumsmaschine.
Bei den Stromabnehmern handelt es sich in beiden Fällen um ein Zukaufteil von Sommerfeldt, das das jeweilige Vorbild hinreichend genau wiedergibt. Gravierende Unterschiede gibt es aber bei der Befestigung: Bei Märklin/Trix mittig eine unschöne Schraube am roten Blechsteg, bei Brawa dagegen eine geschickt im Dach versenkte Befestigungsplatte, sodass auch der Drehisolatorantrieb des SBS 39 dargestellt werden konnte.
Unterschiede auch bei der Dachleitung: Märklin/Trix formt sie konventionell und nicht ganz vollständig aus Draht, während Brawa mit einer Nachbildung aus Kunststoff den vollständigen Verlauf bis hin zum Stromabnehmer mit korrektem Durchhang der flexiblen Leitung und richtiger Darstel- lung der Befestigung auführt.
Eine Meisterleistung ist dagegen das nur 0,5 mm dünne Dach beim Märklin/Trix-Modell, dessen Gehäuse wie auch bei Brawa komplett aus Metall besteht. Hier ist das Dach allerdings mit 1,2 mm zu dick geraten. Eine leicht schräg ausgeführte Unterseite mit einer schmaleren Dachkante hätte diesem Modell sicher besser zu Gesicht gestanden.
Bis auf die Fenster beim Märklin/ Trix-Modell sind bei beiden Modellen die Führerstände und Vorbauten in allen Einzelheiten korrekt ausgeführt. Dies betrifft Ausführung und Lage der Revisionsöffnungen ebenso wie die feinen Nieten. Auch die Gravur der Lüfterlamellen ist bei beiden Maschinen ausgezeichnet gelungen.
Technik
Das Fahrwerk besteht bei beiden Konstruktionen aus Zinkdruckguss. Treibende Kraft der Modelle ist jeweils ein längs angeordneter Kleinmotor mit Schwungscheibe. Bei Brawa treibt eine Schnecke zunächst die darunter liegende Achse an. Über zahlreiche Zwischenräder wird unüberhörbar auch die zweite Achse angetrieben. Bei Märklin/Trix sitzt auf jedem Wellenende eine Schnecke mit Abtrieb zur direkt darunter liegenden Achse.
In beiden Fällen sorgen Blechschleifer für die Stromabnahme von den isolierten Rädern der einseitig isolierten Radsätze. Eine serielle Schnittstelle nach NEM 652 ist ebenfalls bei beiden Modellen vorhanden.
Beide Modelle zeichnen sich durch ausgewogene Laufeigenschaften mit ansehnlichem Auslauf beim Abschalten der Fahrspannung aus. Der dem Vorbild näher umgerechneten Höchstgeschwindigkeit des Brawa-Modells steht allerdings ein etwas höherer Geräuschpegel entgegen. Die gemessene Zugkraft ist ausreichend für die Bildung vorbildgerechter Zuggarnituren.
Die mit dem Anlaufen konstant helle Stirnbeleuchtung mittels Leuchtdioden wechselt nur beim Märklin/Trix-Modell mit der Fahrtrichtung. Brawa bietet vorn korrekt weißes Licht mit sockellosen, eingelöteten Glühbirnen. Über einen Normschacht nach NEM 362 verfügen beide Modelle, über Kurzkupplungskinematik nur die Lok von Trix/Märklin.
Fazit
Zwei ausgezeichnete Modelle, die das hohe Niveau beider Hersteller bei Technik und Detaillierung überzeugend unter Beweis stellen. Brawa hat - wie schon bei der 216 - ganz konsequent die aktuelle Ausführung des Vorbilds verwirklicht und verzichtet somit leider auf eine Möglichkeit zur korrekten Darstellung eines Epoche-II- bzw. III-Modells. Märklin/Trix hätte sich dagegen besser für eine bestimmte Epoche entscheiden sollen, statt durch Vermischen von Epoche-3- und Museumsausführung einen zwiespältigen Kompromiss zu suchen. Verbesserungen in der Detaillierung sind lediglich beim Brawa-Modell an der zu dicken Dachkante und beim Märklin/Trix-Modell hinsichtlich der Ausführung der Dachdetails denkbar. bz
Maßtabelle E 69 02 von Märklin/Trix und E 69 03 von Brawa in H0
| | Vorbild | 1:87 | Märklin/Trix | Brawa |
| Längenmaße |
| Länge über Puffer: | 7 500 | 86,2 | 85,0 | 86,0 |
| Länge über Kasten: | 6 200 | 71,3 | 70,4 | 71,6 |
| Höhenmaße über SO |
| Dachoberkante E 69 02: | 3 900 | 44,8 | 44,9 | - |
| Dachoberkante E 69 03: | 3 840 | 44,1 | - | 44,2 |
| Stromabnehmer in Senklage: | 4 650 | 53,4 | 52,4 | 52,5 |
| Breitenmaße |
| Lokomotivkasten: | 2 700 | 31,0 | 30,7 | 31,2 |
| Schleifstückbreite: | 1 950 | 22,4 | 28,0 | 28,0 |
| Radstände |
| Achsstand: | 3 500 | 40,2 | 40,0 | 40,2 |
| Abstand Pufferträger-Achse: | 1 350 | 15,5 | 15,2 | 15,7 |
| Raddurchmesser: | 1 000 | 11,5 | 11,0 | 11,5 |
| Puffermaße |
| Pufferhöhe über SO: | 1 050 | 12,1 | 12,5 | 12,0 |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,0 | 20,0 |
| Pufferlänge | 650 | 7,5 | 7,4 | 7,0 |
| Radsatzmaße | | NEM | (nur Trix) | |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3+0,1 | 14,2 | 14,4 |
| Radbreite: | - | 2,8min | 3,0 | 2,8 |
| Spurkranzhöhe: | - | 1,2max | 1,2 | 1,0 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7-0,9 | 0,8 | 0,6 |
Messwerte E 69 02 von Trix
| Gewicht Lok: | 164 g |
| Haftreifen: | - |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 30 g |
| 3% Steigung: | 25 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 81 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 50 km/h bei 7,5 V |
| Vmin: | ca. 3,8 km/h bei 2 V |
| NEM zulässig: | 70 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 145 mm |
| aus VVorbild: | 87 mm |
| Lichtaustritt: | ab 3,8 km/h bei 2 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 12/14 mm |
| Länge: | 4 mm |
| Ungefährer Preis: | 290,- DM |
Messwerte E 69 02 von Märklin
| Gewicht Lok: | 166 g |
| Haftreifen: | 1 |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 29 g |
| 3% Steigung: | 22 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 69 km/h bei 16 V |
| VVorbild: | 50 km/h bei 12,5 V |
| Vmin: | ca. 18 km/h bei 7 V |
| NEM zulässig: | 70 km/h bei 16 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 62 mm |
| aus VVorbild: | 35 mm |
| Lichtaustritt: | ab 7 km/h bei 1,8 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 12/14 mm |
| Länge: | 4 mm |
| Ungefährer Preis: | 300,- DM |
Messwerte E 69 03 von Brawa
| Gewicht Lok: | 154 g |
| Haftreifen: | - |
| Messergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 19 g |
| 3% Steigung: | 14 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 64 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 50 km/h bei 9,8 V |
| Vmin: | ca. 4,8 km/h bei 2,5 V |
| NEM zulässig: | 70 km/h bei 12 V |
| Auslauf |
| aus Vmax: | 127 mm |
| aus VVorbild: | 90 mm |
| Lichtaustritt: | ab 6 km/h bei 2,7 V |
| Schwungscheibe |
| Anzahl: | 1 |
| Durchmesser: | 14 mm |
| Länge: | 7 mm |
| Ungefährer Preis: | 300,- DM |
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