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Die Schnellzuglok E 16 in der Epoche 3

 
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Die kantige E 16 dominierte bis in die sechziger Jahre den Schnellzugdienst im Voralpenland. An die eindrucksvollen Leistungen des Vorbilds erinnert Michael Meinhold; Martin Knaden würdigt das H0-Modell von Lemaco.

Kennen Sie Oberlokführer Wunderlich vom Bahnbetriebswerk Rosenheim? Dann kennen Sie auch seine Maschine - die E 16 12, mit der er frühmorgens den D 64 von Kufstein nach München und den Gegenzug D 65 zurück nach Kufstein fährt. Anschließend geht es mit F 21 "Rheinpfeil" wieder nach München und dann mit F 5 "Orient-Express" nach Salzburg.

Sie erinnern sich an diesen Dienstplan? Dann haben Sie als jugendlicher Eisenbahnfreund auch jenes Kult-Buch von 1953 verschlungen, für dessen letzte Exemplare heute schon Phantasiepreise gezahlt werden: "F 21 - Rheinpfeil" von Franz Ludwig Neher, Untertitel "Ein Buch vom Dienst bei der Bahn", das die anschauliche Erklärung von Bildfahrplan und Bremsprobe, K-Tafel und Kompressor so spannend mit Führerstandsszenen, Strecken- und Landschaftsschilderungen verknüpft, daß die Lektüre nur eine Konsequenz zuläßt: "Ich werde Lokführer!" Nun - Lokführer bin ich bekanntlich nicht geworden, aber die E 16 zählt - Franz Ludwig Neher und seinem "F 21" sei Dank! - bis heute zu meinen Favoriten.

Bis zum Beginn der sechziger Jahre dominiert die ungekrönte "Königin von Kufstein" die Traktion der schweren internationalen Schnellzüge und der schnellen F-Züge zwischen München und Kufstein bzw. Salzburg; erst dann verdrängen sie anderweitig durch neugelieferte E 10 freigewordene E 18 allmählich in den Eilzugdienst.

Zuvor aber zählen neben dem F 21 "Rheingold-Express" - welcher im Zusammenhang mit "Rheinpfeil" und "Loreley-Express" zu sehen ist (siehe nachfolgender Beitrag) - etwa der 550 t schwere F 5/6 "Orient-Express" oder die 600 t des D 81/82 "Alpen-Express" mehr als ein Jahrzehnt zu ihren Stammleistungen. Der "Königin von Kufstein" dürfte daher nicht nur beim Verfasser ein ewiger Ehrenplatz in der Ruhmeshalle deutscher Schnellzuglokomotiven gebühren.

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Lemacos E 16 in H0

Wie nicht anders zu erwarten, wurde hier ein Modell auf die Räder gestellt, dem es an nichts fehlt. Angefangen vom sauber geätzten Lokkasten mit den als Gußteil eingelöteten Lüftergittern bis hin zum charakteristischen, asymmetrischen Buchli-Antrieb ist die Lok "100 Prozent" E 16. Die Beschriftung besteht aus lupenrein aufgdruckten Anschriften, kombiniert mit geätzten Betriebsnummerschildern.

Aber ein Kleinserienmodell wäre nicht seinen Preis wert, ohne den zusätzlichen "Kick" gegenüber vergleichbaren Großserienmodellen. Und von diesen Kicks hat Lemacos E 16 viele. Bewegliche Führerstandstüren geben den Blick frei auf einen perfekt eingerichteten mehrfarbigen Führerstand. Auf der nicht angetriebenen Fahrwerkseite liegen hinter feinst geätzten Abdeckgittern die Imitationen der Kühlschlangen. Freistehende, kupferfarbig abgesetzte Schmierleitungen an den Antriebsverkleidungen und Sandfallrohre bis fast zur Schienenebene geben dem Fahrwerk zusätzlich Filigranität.

Auch im Verborgenen finden sich bei näherem Betrachten Details: Hinter den Aufhängungen der Indusi-Magnete liegen die beiden Bremszylinder mit einem ersten Teil des Bremsgestänges, welches sich unter den zu zwei Drehgestellen zusammengefaßten Treibachsen fortsetzt. Eine kleine Lücke gewährleistet die freie Beweglichkeit der Drehgestelle. An der Pufferbohle sind heutzutage freistehende Bremsschläuche und Kupplungsimitationen keine Sensation mehr. An dieser E 16 findet sich aber zusätzlich noch die Heizkupplung als Gegenstück zum Heizschlauch an der Unterseite der Pufferbohle.

Aber was wäre ein Ellok-Modell ohne eine korrekte Dachausrüstung. Hier kommt man bei den neu entwickelten Stromabnehmern vom Typ SBS 10 mit Dozler-Wippe so richtig ins Schwärmen: Im Rahmen des Panthographen finden sich der Stromabnehmerantrieb, zwei Durchführungsisolatoren nebst separat verlegter Druckluftleitung und ein - allerdings eher zum SBS9 gehörender - Trennschalter, der allerdings im Modell unbeweglich ist. Die beim Vorbild nachträglich aufgebaute Dozler-Wippe, zu deren Montage die Oberscherenarme weit nach innen gebogen sind, wird von winzigen Federchen aufrecht gehalten.

Die Dachleitung ruht auf Doppelglockenisolatoren aus Messingguß. Beide Abgänge, zum Oberspannungswandler und zum Hauptschalter sowie weiter zum Durchführungsisolator, sind absolut richtig wiedergegeben. Das Gehäuse des Hauptschalters trägt sogar winzige Ösen, wie überhaupt alle Dachhaken als freistehendes Gußteil ausgeführt worden sind.

Der Antrieb des Modells erfolgt durch einen zentral gelagerten Motor über Kardangelenke auf die beiden Drehgestelle. Im gesamten Regelbereich bleibt das Triebwerk äußerst leise. Eine Schwungmasse trägt das Ihre zur Fahrkultur des Modells bei. Über eine Elektronik werden insgesamt sechs Microbirnchen, die unmittelbar in den Lampengehäusen eingesetzt sind, mit konstanter Spannung versorgt.

Fazit: Für den Freund von Altbau-Elloks ist diese E 16 07 von Lemaco ein echtes "Schmankerl" vom Feinsten. Nicht nur, weil es die "Königin von Kufstein" ist.

MK


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