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Seit Mitte November ist das lange angekündigte Modell der 18 201 von Roco im Handel. Die MIBA-Testpiloten Bernd Beck und Bernd Zöllner habe das neue Roco-Flaggschiff getestet.
Die Lokomotive wurde im heutigen Zustand als Öllok nachgebildet. Die 18 201 soll das neue Spitzenprodukt der Modellpalette der Salzburger werden, entsprechender Aufwand wurde betrieben. Die geringen, nur betriebstechnisch bedingten Maßabweichungen zeigt die Tabelle.
Dampflokpuristen werden sicher bemerken, daß die Treibstangen 90 Grad zueinander stehen und nicht 60 Grad, wie bei der dreizylindrigen Vorbildlok. Dies ist jedoch fahrtechnisch bedingt. Da die beiden vorderen Räder von den Kuppelstangen angetrieben werden, mußte die 90Grad-Kröpfung gewählt werden, um ein Zwängen der Räder zu vermeiden.
Aber sehenswert ist, daß nicht nur die Proportionen des Vorbildes bestens getroffen wurden, sondern auch die vielen nachgebildeten Einzelheiten ein optischer Genuß sind. Die großen Speichenräder sind erstmals bei Roco komplett aus Metall gefertigt. Alle Kunststoffteile sind überlackiert, bei Roco ebenfalls neu. Zahlreiche Leitungen am Kessel sind angesetzt, die Stellstangen sind aus Draht nachgebildet. Das Schutzgitter auf dem Führerhausdach ist ein Ätzteil aus 0,15 mm starkem Blech. Die Rauchkammer wurde, um eine scharfe Trennkante zwischen grünem Kessel und schwarzer Rauchkammer zu erreichen, als extra Teil gefertigt, alle Leitungen mußten ebenfalls paßgenau getrennt werden. Die Schürze unter dem Führerhaus wurde, um das Ausschwenken der Schleppachse zu ermöglichen, klappbar ausgeführt.
Die Lackierung ist seidenmatt wie das Vorbild, ein Kritikpunkt ist jedoch die bei dem getesteten Vorserienmodell nicht optimale Bedruckung. Die Loknummern sind nicht stimmig, bei einigen kleineren Anschriften fallen unschöne "Löcher" auf.
Kein Zweifel, das Roco-Modell ist ein Hingucker mit weitgespanntem Einsatzgebiet vor Museums- und Planzügen. Die Mängel bei der Bedruckung werden von Roco sicher zum Serienanlauf behoben werden. Ein so großer Aufwand hat allerdings seinen Preis, so um die 500,- DM wird das neue Paradepferd der Roco-Modellpalette wohl kosten. Bernd Beck
Technik
Auch beim Modell der 18 201 finden wir Rocos klassischen Aufbau bei Schlepptenderloks vor. Das Kunststoffgehäuse des Tenders läßt sich durch Spreizen der Seitenwände vom Metallfahrwerk leicht abziehen. Das Gehäuse der Lok (Kessel, Führerhaus, Umlauf) besteht ebenfalls aus Kunststoff und läßt sich sehr leicht abheben, nachdem auf der Rahmenunterseite eine zentrale Schraube gelöst wurde. Sie geht durch den Rahmen in das im Kessel befindliche Ballastgewicht, das mit einer entsprechenden Gewindebohrung versehen ist. Eine sehr zuverlässige und unverwüstlich Art der Befestigung. Im Tenderfahrwerk aus Druckguß ruht - durch eine Klammer gehalten - der bekannte große Motor mit schräggenutetem Anker. Er treibt über ein kombiniertes Schnecken-Stirnrad-Getriebe richtigerweise die beiden äußeren der vier in einem Rahmen gelagerten Tenderachsen an. Somit verteilt sich das Tendergewicht gleichmäßig auf die vier äußeren Tenderräder, die durch die komplette Bestückung mit Haftreifen mit einer Quasi-Allradauflage ein Maximum an Zugkraft auf die Schiene bringen können. Die mittleren beiden Tenderachsen werden durch weiche Druckfedern und die von oben auf die Spurkränze wirkenden Bronzeblech-Stromabnahmeschleifer auf die Schienen gedrückt.
Über ein Kardangelenk und ein nachgeschaltetes Schnecken-Stirnrad-Getriebe wird das Drehmoment des Motors zusätzlich auf den hinteren Kuppelradsatz der Lok übertragen. Der Antrieb der beiden anderen Radsätze erfolgt über die Kuppelstangen. Wenn auch dieser Zusatzantrieb auf die haftreifenlosen Treibräder kaum Vorteile bei der Traktion bringen dürfte, wird auf diese Weise sichergestellt, daß sich die Treibräder zuverlässig bewegen. Das bei schweren Anfahrten beim Modell mögliche Schleudern der Treibräder ist so ebenfalls möglich. Auch bei der Lok erfolgt die Stromabnahme durch Bronzefederbleche, die von oben auf die Spurkränze der Treibräder wirken. Die Treibräder dieses Modells bestehen erstmals bei Roco vollständig aus Metall.
Gelagert sind die Treibradsätze in einer Nachbildung des Barrenrahmens aus Zinkdruckguß. Trotz der filigranen Ausführung des Rahmens mit Durchbrüchen in den Rahmenblechen ist er so ausgebildet, daß die kompletten Radsätze entnommen werden können.
Das vollständig aus Kunststoff gefertigte Vorlaufdrehgestell ist so in einer Kulisse gelagert, daß seine Bewegungsfreiheit auch bei engen Radien gewährleistet ist, ohne daß Kompromisse im Bereich der Zylinderblöcke gemacht werden mußten. Selbst die Kolbenstangenschutzrohre konnten vollständig nachgebildet werden.
Gut gelöst wurde die Lagerung der beiden Vorlaufachsen. Mit sehr viel Höhenspiel in den Achslagern des Drehgestells werden die beiden Achsen durch weiche Druckfedern auf den Schienen gehalten. Bei der Nachlaufachse erfüllt die gleiche Funktion ein 7 g schweres Gußteil, das in das Gestell aus Kunststoff von oben entsprechend der Kontur der Seitenbleche als zweite Hälfte des Achslagers eingeklipst ist. Die Masse dieses Gewichts stellt eine gute Auflage sicher und verhindert durch ihre Trägheit ein Springen der Nachlaufachse.
Je eine Leiterplatte in Lok und Tender sind die Basis für die Elektrik. In der Lok befindet sich die Leiterplatte an der Kesselunterkante und trägt neben den Radschleifern die Kontakte für den nachrüstbaren Dampfentwickler und ein leider eingelötetes sockelloses Birnchen für die Stirnbeleuchtung. Am hinteren Ende dieser Leiterplatte sind insgesamt 6 Kabel angelötet, die die elektrische Verbindung zum Tender herstellen. Eine 6polige Steckverbindung am Tender ermöglicht eine problemlose Trennung von Lok und Tender.
Im Tender liegt die zentrale Leiterplatte unter dem Motor. Sie trägt ebenfalls ein eingelötetes sockelloses Birnchen, außerdem ist eine mehrpolige Folie angelötet, die am Motor vorbei nach oben geführt wird und an deren Ende die Schnittstelle nach NEM 652 mit 2 x 4 Anschlüssen angeordnet ist. Ein Digitaldecoder kann auf diese Weise ohne Zwängen in dem Raum über dem Motor untergebracht und angeschlossen werden.
Mit der bei Roco mittlerweile selbstverständlich gewordenen geringen Geräuschentwicklung läßt sich das Modell über den gesamten Regelbereich hervorragend bewegen. Auch die Langsamlaufeigenschaften können sich bei dem auf die beim Vorbild maximal zulässige Geschwindigkeit ausgelegten Modell sehen lassen. Das Auslaufverhalten beim plötzlichen Wegnehmen der Fahrspannung kann mit ungefähr einer Loklänge als ausgewogen bezeichnet werden. Die guten Zugkraftwerte ermöglichen vorbildgerechte Einsätze dieses Lokmodells.
Ganz selbstverständlich sind mittlerweile die Kurzkupplung zwischen Lok und Tender und der Normschacht mit Kinematik an der Rückseite des Tenders. Die Stirnbeleuchtung an Lok und Tender wechselt mit der Fahrtrichtung und erfolgt durch die bereits erwähnten Glühbirnchen mit nicht mehr ganz zeitgemäßer spannungsabhängiger Helligkeit. bz
Maßtabelle BR 18 von Roco
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Längenmaß (LüP): | 25 145 | 289,0 | 290,4 |
| Höhenmaß über SO | | | |
| Schlotoberkante (ohne Aufsatz): | 4 550 | 52,3 | 52,2 |
| Kesselmitte: | 3 200 | 36,8 | 36,8 |
| Puffermaße |
| Puffermittenabstand: | 1 750 | 20,1 | 20,1 |
| Pufferhöhe über SO: | 1 025 | 11,8 | 11,7 |
| Pufferlänge: | 640 | 7,4 | 7,5 |
| Gesamtbreite: | 3 050 | 35,1 | 35,3 |
| Zylindermittenabstand: | - | - | 26,6 |
| Achsstände |
| Gesamtachsstand: | 21 510 | 247,2 | 249,1 |
| Achsstand Lok: | 13 385 | 153,9 | 155,4 |
| Achsstand Tender: | 5 700 | 65,5 | 65,7 |
| Achsstand Vorlaufdrehgestell: | 2 350 | 27,0 | 27,9 |
| Hintere Vorlaufdrehgestell/1. Treibachse: | 2 100 | 24,1 | 23,6 |
| Achsstände Treibachsen je: | 2 550 | 29,3 | 29,5 |
| Hintere Treibachse/Nachlaufachse | 3 835 | 44,1 | 44,6 |
| Nachlaufachse/1. Tenderachse | 2 425 | 27,9 | 28,0 |
| Achsstände Tenderachsen je: | 1 900 | 21,8 | 21,9 |
| Raddurchmesser |
| Vorlaufräder: | 1100 | 12,6 | 12,6 |
| Treib- und Kuppelräder: | 2 300 | 26,4 | 26,5 |
| Nachlaufrad: | 1 250 | 14,4 | 14,4 |
| Tenderräder: | 1 000 | 11,5 | 11,5 |
| Radsatzmaße entsprechend NEM |
| Radsatzinnenmaß: | - | 14,3 min | 14,4 |
| Radbreite: | - | >2,8 min | 2,8 |
| Spurkranzhöhe: | - | _1,2 max | 1,1 |
| Spurkranzbreite: | - | 0,7- 0,9 | 0,8 |
| Alle Maße in mm |
Meßwerte
| Gewicht Lok: | 294 g |
| Gewicht Tender: | 226 g |
| Haftreifen: | 4 |
| Meßergebnisse Zugkraft |
| Ebene: | 147 g |
| 3% Steigung: | 135 g |
| Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt) |
| Vmax: | 195 km/h bei 12 V |
| VVorbild: | 175 km/h bei 11 V |
| Vmin: | ca. 6 km/h bei 1,9 V |
| Auslauf bei VVorbild: | 280 mm |
| Schwungscheibe: | 1 |
| Durchmesser x Dicke: | 23,0 x 3,6 mm |
| NEM-M-Schnittstelle: | ja |
| Passende Decoder: | DCC: Arnold 82201, Lenz LE040, Zimo MX61N; Selectrix: 66832; FMZ: 6844 (auch andere Decoder mit ähnlichen Abmessungen wie die aufgeführten passen in den Tender) |
| Ungefährer Ladenpreis: | DM 500,- |
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