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Das kleine Schwarze

 
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Besondere Vorbilder geben Anreiz zu besonderen Modellen. Zu diesen Vorbildern zählt auch die Museumlokomotive 310.23 der ÖBB. Wer anders als der österreichische Hersteller Roco sollte sich berufen fühlen, die 310 als Modell in seiner Museumsedition zu fertigen? Daß es dabei den Salzburgern gelungen ist, sich selbst zu übertreffen, zeigt der Test von Martin Knaden und Bernd Zöllner.

"Das kleine Schwarze" muß nicht immer ein Kleid von Chanel sein. In unserem Fall ist es ein Roco-Modell der österreichischen 310, das unter Kennern mindestens ebensolche Begehrlichkeiten weckt wie der Haute-Couture-Fummel aus Paris.

Kein Wunder, ist doch das Modell mit besonderem Aufwand im Formenbau hergestellt. Die charakteristische Linie des Gölsdorf-Kessels wurde ebenso perfekt getroffen wie die schier unzähligen Details im Bereich der Steuerungsträger.

Bis auf die Schmierleitungen, die durch eine zusätzliche kupferne Bedruckung hervorgehoben wurden, sind alle Leitungen und Griffstangen separat angesetzt. Sicherheitsventile und der Sockel der Dampfpfeife sind als Messingdrehteil blank belassen. Als besonderen optischen Leckerbissen kann man die messingglänzenden Zierringe um Dampfdom, Schlot und Lampengläser ansehen. In den Lampen sind genau wie beim Museums-Vorbild elektrische Birnchen eingesetzt - schließlich hat die Maschine ja auch einen mit sämtlichen Leitungen versehenen Dynamo auf der Rauchkammer.

Farblich abgesetzt ist auch die Führerstandsinneneinrichtung, in der die Feuerbüchse schwarz und die Leitungen kupferfarben sind. Geschickt wurden die feinen, seitlichen Windschutzscheiben in den Spritzling des Fenstereinsatzes integriert.

Ein besonderer Hingucker sind im Bereich des Fahrwerks die großen Räder. Sie sind nicht wie sonst üblich schwarzvernickelt, sondern mit blanken Radreifen versehen. Somit wird der Eindruck der frisch hauptuntersuchten Lok wiedergegeben. Durch die feinen Speichen hindurch erkennt man den mit Nieten und Federpaketen wohldetaillierten Rahmen.

Die Steuerung besteht aus gegossenen Metall- und gespritzten Kunststoffteilen. Die an den Gelenken verwendeten Nieten sind hier besonders fein.

Als separate Teile müssen am Modell nur wenige Metallgriffstangen und ein paar Kunststoffteile angesteckt werden. Zum Austauschen liegen außerdem Ätzschilder und Aschkästen mit größeren Aussparungen für die ausschwenkenden Nachlaufradsätze sowie ein Kohlenkasten mit echter Kohle bei. Diese ist allerdings nicht so typisch glitzernd und löst sich leider recht leicht aus der Verklebung - unsere an diesem Modell wirklich einzige Kritik!
MK

Technik

Der grundsätzliche Aufbau der 310 entspricht der von Roco schon seit längerem angewendeten Technik bei Schlepptenderlokomotiven: Der 5polige Motor mit Schwungscheibe lagert im Tender und treibt die beiden äußeren Tenderachsen sowie über eine Kardanwelle zusätzlich die hintere Kuppelachse der Lok an. Treibachse und vordere Kuppelachse werden über die Kuppelstangen mitgenommen.

Zum Abnehmen des Tendergehäuses muß erst der elektrische Anschluß der dritten Stirnlampe gelöst werden, deren feine Anschlußdrähte mit Kunststoffzapfen in leitfähige Bohrungen der über dem Motor liegenden Leiterplatte geklemmt werden.

Der Motor wird von einer kräftigen Blechklammer gehalten. Seine beiden Wellenenden treiben über Schnecken-/Stirnradgetriebe die Achsen an. Die beiden mittleren Tenderachsen sind jedoch nicht mehr einfach seitenverschiebbar angeordnet, sondern erstmalig jeweils in einem Drehgestell angeordnet, dessen Drehgestellblenden um die starr gelagerten Antriebsachsen herumgreifen. Auf diese Weise wird sehr geschickt der Eindruck einer echten Drehgestell-Nachbildung erzeugt.

Diese beiden schwenkbar angeordneten Tenderradsätze haben mittig isolierte Halbachsen, von denen über vier Achsschleifer der Strom abgenommen wird. Weitere Schleifkontakte stellen die elektrische Verbindung vom Drehgestell zur Leiterplatte her, die unter dem Motor liegt. Über eine Leiterfolie erfolgt die Verbindung zur Leiterplatte oberhalb des Motors.

Auf dieser Leiterplatte befindet sich ein Brückenstecker. Er hat nur sechs Kontaktstifte, und je nachdem wie herum er eingesteckt wird, ist das Modell entweder für analogen oder digitalen Betrieb eingerichtet. Der von Lenz gefertigte lastgeregelte Decoder wurde für den Raum innerhalb des Kessels maßgeschneidert.

Bevor jedoch das Innenleben der Lok sichtbar wird, muß nach dem Lösen der zentralen Befestigungsschraube das "Gehäuse" bestehend aus Kessel und Umlauf (alles aus Zinkdruckguß) gegen den Widerstand eines kleinen fest montierten 6poligen Steckers im Bereich der Rauchkammer vom Fahrwerk abgehoben werden. Wenn die nun relativ gut zugängliche 6polige Kabel-Steckverbindung im Bereich der Feuerbüchse gelöst wird, können Fahrwerk und Kessel leicht voneinander getrennt werden.

Im Zinkdruckguß-Rahmen bewegen sich die Radsätze mit den vollständig aus Metall gefertigten Treibrädern in Kunststofflagern und sind somit elektrisch vom Rahmen getrennt. Auf diese Weise konnte auf die sonst üblichen Schleifkontakte auf der Rückseite der Treibräder verzichtet werden. Statt dessen gibt es innerhalb des Rahmens von außen nicht sichtbar bei der vorderen Kuppelachse und der (mittleren) Treibachse einen Schleifkontakt, der von oben auf die Achse wirkt. Im Bereich des Triebwerks gibt es je einen zusätzlichen Stromabnahmepunkt. Darüber hinaus ist die Vorlaufachse ebenfalls in Form zweier isolierter Halbachsen ausgeführt, entsprechende Schleifer auf die Achse sorgen für eine 2polige Stromabnahme. Das Nachlaufdrehgestell wird zur Stromabnahme nicht herangezogen.

Durch dieses Konzept hat die Lok praktisch keine sichtbaren Schleifkontakte für die Stromabnahme, aber eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Stromabnahmepunkten: Genau die Hälfte aller Räder wird zur Stromabnahme herangezogen. Lok und Tender sind mittels einer lokseitigen Kinematik kurzgekuppelt und über einen kleinen 6poligen Vielfachstecker elektrisch miteinander verbunden.

Im Analogbetrieb zeigt das Modell die gewohnt ausgeglichene Regelungscharakteristik und bewegt sich leise und taumelfrei bis zur (im zulässigen Rahmen liegenden) leicht überhöhten Höchstgeschwindigkeit. Im Digitalbetrieb wird dieses gute Fahrverhalten noch verbessert: Minimale Vmin und eine noch etwas höhere Vmax ergeben einen weiten Regelbereich. Anfahr- und Bremsverzögerung sind auf einen sehr großen Wert eingestellt und suggerieren eine hohe Massenträgheit. Die Decoder-Programmierung kann vom Käufer selbstverständlich noch individuell verändert werden.

Der Auslauf beim Abschalten der analogen Fahrspannung ist nicht überwältigend, bewegt sich aber in einem vertretbaren Rahmen. Die gemessene Zugkraft ist mehr als ausreichend und ermöglicht den vorbildgerechten Einsatz adäquater Zuggarnituren.

Ab ca. 2,3 V beginnen die Birnchen im Analogbetrieb zu leuchten und erreichen bei ca. 5 V ihre größte Helligkeit. Eine aufwendige Lösung, die dem hohen Anspruch dieses Modells absolut gerecht wird. Der Einbau eines Rauchentwicklers ist möglich, der elektrische Kontakt bereits vorbereitet.

Alle Räder des Modells haben zierliche Spurkränze. Neben der deutlich besseren Gesamtwirkung der Räder hat dies den großen Vorteil, daß der Abstand der Treib- und Kuppelachsen weitestgehend korrekt realisiert werden konnte. Für Problemfälle sind die Vor- und Nachlaufachsen mit den bei Roco üblichen Spurkränzen erhältlich.

Fazit

Ein in Optik wie Technik aufwendig gestaltetes Modell, das keine Wünsche offenläßt. Roco ist es gelungen, in dieser 310 die perfekte Gestaltung eines Kleinserienmodells mit der Betriebstauglichkeit der Großserie zu verbinden. Das Modell ist daher seinen - sicher beachtlichen - Preis wert.
bz

Maßtabelle 310.23 von Roco in H0

 Vorbild1:87Modell
Längenmaße
Länge über Puffer:21 404246,0248,8
Lok Pufferträger bis Kuppelkasten:12 416142,7144,2
Tender Pufferträger bis Kuppelkasten:7 78689,589,0
Lok-Tender-Abstand:861,02,0
Pufferlänge Lok:5956,86,7
Pufferlänge Tender:6077,06,9
Puffermaße
Puffermittenabstand:1 75020,120,1
Pufferhöhe über SO:1 05012,112,0
Höhenmaße über SO
Schlotoberkante über SO:4 62053,153,4
Kesselmitte über SO:2 93033,733,7
Breitenmaße
Gesamtbreite (Trittstufen am Steuerungsträger):3 08435,437,4
Breite Führerhaus:2 70631,131,2
Zylindermittenabstand:2 23025,627,5
Achsstände
Gesamtachsstand:18 252209,8212,4
Gesamtachsstand Lok:10 450120,1121,6
Lokpufferträgervorderkante zu Laufachse:7508,69,0
Vorlaufachse zu Kuppelachse 1:2 65030,531,2
Kuppelachse 1 zu Kuppelachse 2:2 22025,525,7
Kuppelachse 2 zu Kuppelachse 3:2 22025,525,7
Kuppelachse 3 zu Nachlaufachse 1:1 71019,720,0
Nachlaufachse 1 zu Nachlaufachse 2:1 65019,019,0
Nachlaufachse 2 zu Kuppelkasten:1 21614,013,6
Nachlaufachse 2 zu Tenderachse 1:2 50228,829,6
GesamtachsstandTender:5 30060,861,2
Kuppelkasten zu Tenderachse 1:1 20013,813,7
Tenderachse 1 zu Tenderachse 2:1 90021,822,0
Tenderachse 2 zu Tenderachse 3:1 50017,217,2
Tenderachse 3 zu Tenderachse 4:1 90021,822,0
Tenderachse 4 zu Pufferträgerhinterkante:1 20013,814,1
Raddurchmesser
Vorlaufrad:1 03411,911,8
Treib- und Kuppelräder:2 14024,624,2
Nachlaufräder:1 03411,911,8
Tenderräder:1 03411,911,8
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3-14,514,4
Spurkranzhöhe:-0,6 min0,6
Spurkranzbreite:-0,7 min0,8
Radbreite:-2,8 min2,9

Meßwerte 310.23 von Roco

Gewicht Lok:394 g
Haftreifen:4
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene:193 g
3% Steigung:169 g
Geschwindigkeiten bei Analogbetrieb
Vmax: 115 km/h bei 12 V
VVorbild:100 km/h bei 9,5 V
Vmin:ca. 8 km/h bei 3,1 V
NEM zulässig:140 km/h bei 12 V
Geschwindigkeiten bei Digitalbetrieb (werkseitige Decoder-Programmierungen)
Vmax: 145 km/h bei Fahrstufe 27
VVorbild:100 km/h bei Fahrstufe 23
Vmin:ca. 0,9 km/h bei Fahrstufe 01
Auslauf
aus Vmax:163 mm
aus VVorbild:93 mm
Lichtaustritt (im Analogbetrieb)
vorn: ab 0 km/h bei 2,3 V
hinten:ab 0 km/h bei 2,3 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 23,0 mm
Länge:3,6 mm
ungef. Ladenpreis mit Baustein:990,- DM
ungef. Ladenpreis ohne Baustein:1100,- DM

 

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