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Vom Viehwagen der Verbandsbauart wurden insgesamt 2133 Exemplare gebaut, ein zeitgemäßes Modell war bis vor kurzem nicht erhältlich. Jetzt rollte der Vh 14 von Sachsenmodelle zu den Fachhändlern und aufs Testgleis von Bernd Beck.
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wuchsen die Großstädte der Industriestaaten stark an. Mit zunehmender Größe reichte die Versorgung mit Lebensmitteln vom direkten Umland nicht mehr aus. Zur Fleischversorgung wurden lebende Tiere per Bahn in die Schlachthöfe der Städte gefahren. Wurden dazu erst offene und gedeckte Standardwagen verwendet, bildete sich bald ein Spezialwagen heraus.
Der Viehwagen glich einem gedeckten Güterwagen, hatte jedoch größere Lüftungsöffnungen, indem in den Seiten- und Stirnwänden zwischen den einzelnen Brettern Lücken gelassen wurden. Daher kam auch der Name Verschlagwagen. Typisch waren auch Lüftungsklappen und bei Wagen für Kleinvieh ein zweiter Boden, um die Tragfähigkeit des Wagens voll ausnutzen zu können.
In den Normalien des deutschen Staatsbahn-Wagenverbandes war unter der Zeichnung A8 ein Viehwagen mit und ohne Handbremse enthalten. Basis für diesen Wagen war eine ab 1894 von den preußischen Staatsbahnen (KPEV) beschaffte Bauart. Der Verbandswagen war mit einer LüP von 8250 mm um 250 mm kürzer als der Vorgänger, die übrigen Hauptmaße waren weitgehend identisch. Die ersten Viehwagen der Verbandsbauart wurden 1913 gebaut. Diese Wagen wurden hauptsächlich von den KPEV beschafft; es ist gesichert, daß auch Baden, Elsaß-Lothringen, Oldenburg und Sachsen solche Wagen beschafften. Bis 1927 wurden jedenfalls 2133 Wagen beschafft, mehr als von jeder anderen Viehwagenbauart. Bei der DRG wurden sie wie alle Viehwagen dem Gattungsbezirk "Altona", ab 1937 "Hamburg" zugeordnet.
Bei der DB wurden die Verbandswagen als V14 bezeichnet. Viele Wagen wurden 1960 zu den moderneren Vlmmhs 63 umgebaut, dennoch soll der letzte Vh 14 bis 1965 im Einsatz gestanden haben. Direkte Nachfolger waren die ab 1927 gebauten Wagen der Austauschbauart mit Tonnendach, spätere Bezeichnung V 23.
Obwohl die DB noch 1960 insgesamt 650 Wagen des oben erwähnten Vlmmhs 63 bauen ließ, war die Zeit für Viehwagen damals bereits abgelaufen. Die immer verbesserte Gefriertechnik machte Verschlagwagen schnell überflüssig. Heute finden Transporte von Lebendvieh fast ausschließlich auf der Straße statt.
Vh 14 von Sachsenmodelle
Gerade der Viehwagen der Verbandsbauart, mit 2133 Exemplaren der meistgebaute Viehwagen und einst weitverbreitet, stand auf der Wunschliste der Modellbahner ganz oben. Zwar gab es ein recht gutes Modell dieses Wagens in der Trix-Metallserie, jedoch ist dieses leider schon lange nicht mehr erhältlich. Bei Fleischmann ist ein ähnliches Modell im Programm, das aber länger als der Vh 14 ist und als Vorbild einen Geflügelwagen hat, der um 1910 an Privateinsteller geliefert wurde.
Auf der Nürnberger Messe 1996 stellte Sachsenmodelle ein Modell eines Vh 14 als Neuheit vor. Jetzt, gut eineinhalb Jahre später, ist es lieferbar. Vorbild ist ein Wagen ohne Bremserhaus der DB im Zustand von etwa 1960, also der späten Epoche 3. Merkmale sind neben der entsprechenden Beschriftung die fehlenden Lüftungsklappen in den Türen sowie die in den dreißiger Jahren von der DRG angebrachten Endfeldverstärkungen. Das Fahrgestell ist durchbrochen, die Kupplungsbefestigung ist von den älteren Sachsenmodelle-Kesselwagen bekannt. Die labil wirkende Kupplungskinematik gab bei Funktionstests keinen Anlaß zur Kritik.
Der Boden ist am Wagenkasten angespritzt wie auch die Tritte unter den Türen, die deswegen aber rotbraun anstatt schwarz sind. Das Dach ist aufgeklebt und läßt sich nicht abnehmen, ohne den Wagenkasten zu beschädigen. Leider sind auf dem glatten Dach noch Einfallschatten, hervorgerufen durch die Klebestellen auf der Unterseite, zu sehen. Auf die Nachbildung eines Zwischenbodens wurde verzichtet.
Wie die Tabelle zeigt, gibt es bei fast allen Maßen kleinere Abweichungen, die mit bloßem Augen jedoch nicht feststellbar sind. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, daß nur sechs statt zehn Federblätter nachgebildet sind, diese dafür aber 2,6 mm zu lang sind. Bremszylinder und Gestänge sind extra eingesetzt, die entsprechende Umstelleinrichtung am Rahmen fehlt jedoch. Die Griffstangen an den Ecken des Kastens sind rechteckig statt rund und wirken mit einer Dicke von 0,8 mm etwas grob.
Die Bedruckung unseres Testmodells wies teilweise "Löcher" auf, die rechteckigen Umrandungen von ABC-Raster, RIV-Zeichen und Eigengewicht waren verzogen und z.T. unvollständig. Nicht nachgebildet ist auch der in dieser Epoche unbedingt erforderliche Zettelkasten. Bei der Funktionsprüfung auf Weichenstraßen und im Zugverband gab es keine Schwächen. Das Fahrzeug meisterte auch Lücken und Absätze der Schienen und lag dank des Gewichtes von 48 g immer gut im Gleis - und das auch ohne Dreipunktlagerung.
Fazit: Es ist schön, daß Sachsenmodelle mit dem Vh 14 eine Lücke im Modellwaggonpark schließt. Einige kleinere Schönheitsfehler wären bei dieser Neukonstruktion (Ladenpreis ca. DM 30,-) allerdings von vornherein vermeidbar gewesen.
Bernd Beck
Maßtabelle Vh 14 von Sachsenmodelle
| | Vorbild | 1:87 | Modell |
| Länge über Puffer | 8250 | 94,8 | 96,0 |
| Radstand | 4000 | 46,0 | 46,3 |
| Länge Untergest. | 6950 | 79,9 | 80,7 |
| Breite Kasten | 2734 | 31,4 | 31,0 |
| Breite gesamt | 3048 | 35,0 | 33,8 |
| Breite Untergest. | 2066 | 23,7 | 27,0 |
| Breite über Tritte | 3050 | 35,1 | 35,0 |
| Federbockbreite | 1220 | 14,0 | 16,5 |
| Federlänge | 1100 | 12,6 | 15,0 |
| Höhe über alles | 3495 | 40,2 | 40,5 |
| alle Angaben in mm |
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