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Mit der slowenischen Firma Mehano versucht sich ein weiterer Hersteller von Modellbahnen auf dem deutschen Markt zu etablieren. Daß das Debüt mit dem H0-Modell des Thalys durchaus geglückt ist, konnte Bernd Zöllner bei seinem Kurztest feststellen.

Für den Hochgeschwindigkeitsverkehr von Paris über Brüssel nach Amsterdam setzte die SNCF ab 1995 modifizierte zehnteilige TGV-Garnituren ein, die den jeweiligen Stromsystemen und Sicherungssystemen entsprachen. Zehn dieser Garnituren erhielten neben dem Kunstnamen "Thalys" auch eine neue Farbgebung. Die Triebköpfe wurden überwiegend Bordeaux-Rot ("Europa-Rot") und die Mittelwagen in Silbermetallic mit einem roten Dachstreifen lackiert. Für die Verbindung nach Köln wurde eine Viersystemvariante des Thalys gebaut, bei dem der Triebkopf eine runde Form bekam. Davon beschafften die beteiligten Bahngesellschaften insgesamt 17 Garnituren über eine gemeinsame Betreibergesellschaft. Seit Dezember 1997 kommt der Thalys planmäßig bis Köln, wobei er auf der Strecke zwischen Aachen und Köln bis auf weiteres nur max. 120 km/h fahren kann. Seit dem Sommerfahrplan 1998 gibt es eine Thalys-Garnitur, die morgens in Düsseldorf startet und abends dort endet. Ab dem Sommerfahrplan 1999 soll der Lauf des Thalys über Düsseldorf hinaus bis Dortmund verlängert werden.

Das Modell des Thalys

Für den Test lag uns die Grundpackung des vom slowenischen Hersteller Mehano angebotenen Modells vor, die einen angetriebenen und einen nicht angetriebenen Triebkopf sowie die beiden "Mittelendwagen" 1. bzw. 2. Klasse enthält. Für die Vervollständigung zur zehnteiligen Garnitur gibt es in Kürze zwei Ergänzungspackungen mit je drei Mittelwagen.

Auf dem Dach der Triebkopf-Nachbildung befinden sich je zwei Nachbildungen der Faiveley-Stromabnehmer-Typen CX mit je einem schmalen und einem breiten Schleifstück. Sie ruhen vorbildgerecht auf je drei Stützisolatoren. Die Darstellung der elektrischen Anschlüsse und der Antriebe ist - wie auch die vollständige Nachbildung der Laufroste- als Gravur am Dach angedeutet. Während die Konturen von Türen, Klappen und Verkleidungsteilen etwas zu kräftig ausgefallen sind, sind die Gravuren der im Dachbereich einzeln eingesetzten schwarzen Lüftungsgitter ebenso fein geraten wie die des Lüfterbands an der Seitenwand. Paßgenau eingesetzt ist das Stirnfenster mit den angravierten Scheibenwischern sowie die Seitenfenster. Die Griffstangen der Führerstandstüren sind angraviert und sauber silberfarben bedruckt. Geschickt gelöst wurde die Nachbildung der oberen Trittstufe des Führerstandseinstieges, die gleichzeitig der Fixierung des Rahmens dient. Hinter der gut detaillierten Darstellung der rückwärtigen Stirnwand, die mit Rastnasen gehalten wird, verbirgt sich der Umschalter für den Oberleitungsbetrieb.

Die grau eingefärbten Drehgestelle wirken in ihren Konturen etwas rund, stellen aber alle wesentlichen Bauteile korrekt dar. Im Bereich der Führerstandstüren finden sich an den dortigen Drehgestellen sogar die zugehörigen Trittstufen. Die leicht glänzende dunkelrote Lackierung des Triebkopfes ist sauber ausgeführt. Da sie offenbar über das Silber des restlichen Wagenkastens aufgetragen wurde, entsteht leider der Eindruck einer Metallic-Lackierung. Präzise, sauber und vollständig gedruckt ist die Beschriftung.

Qualitativ gleichwertig sind die beiden Mittelwagen, die vollständig aus Kunststoff bestehen. Zum bemängeln wäre lediglich, daß die Spalten zwischen Fenstereinsätzen und Wagenkasten unnötig groß ausgefallen sind.

Das Kunststoffgehäuse des Triebkopfes wird mit einer Schraube von der Unterseite des Zinkdruckgußrahmens gehalten. Die Antriebstechnik entspricht dem heutigen Standard. Ein mittig angeordneter Motor treibt mittels Kardangelenken alle Achsen beider Drehgestelle über auf jede Achse direkt wirkende Schneckengetriebe an. Eine oberhalb des Motors angeordnete Leiterplatte enthält die gesamte Elektrik einschließlich der Schnittstelle nach NEM 652. Die Stromabnahme erfolgt über Radschleifer von der Rückseite aller acht Räder, von denen vier mit Haftreifen belegt sind.

Der angetriebene Triebkopf hat gute Laufeigenschaften; die zu niedrige Höchstgeschwindigkeit ist für den vorbildgerechten Einsatz auf Regelstrecken absolut in Ordnung. Die im Durchmesser etwas klein geratene Schwungscheibe entfaltet kaum Wirkung, vor allem hinsichtlich des Auslaufs. Die Zugkraft des angetriebenen Triebkopfes reicht für eine vorbildgerechte zehnteilige Einheit aus. Die mit der Fahrtrichtung wechselnde Stirn- und Schlußbeleuchtung erfolgt mittels Leuchtdioden.

Als Kupplung zwischen Triebkopf und erstem Mittelwagen fungiert eine Deichsel mit Rastverbindung und einseitiger Kulisse im Mittelwagen. Ihr Nachteil ist ein etwas zu großer Abstand zwischen Trieb- und Mittelwagen. Die Verbindung zwischen den Mittelwagen erfolgt über starre Deichseln, die jeweils übereinander auf eine gemeinsame Achse in der Mitte des Jacobs-Drehgestells greifen. Als Tribut an die engen Modellbahnradien sind diese Deichseln so lang ausgeführt, daß der Abstand zwischen den Wagenkästen unmaßstäblich groß ist. Hier wäre eine Kinematik durchaus sinnvoll gewesen, zumal sie sich bei einem Jacobs-Drehgestell hätte einfach realisieren lassen.

Das Modell wird in einer ansprechenden und stabilen Verpackung geliefert. Eine vorbildliche Bedienungsanleitung mit Wartungshinweisen, Schaltplänen (!) und Explosionsdarstellungen aller Fahrzeuge sowie ein ausgesprochen günstiger Preis runden den positiven Gesamteindruck ab, den das Modell hinterläßt. Mit Spannung darf die nächste Neuheit des slowenischen Herstellers erwartet werden: Angekündigt ist die Diesellok "Blue Tiger" in H0.
bz

Maßtabelle Thalys von Mehano in H0

Endwagen
 Vorbild1:87/NEMModell
Triebkopf
Länge über Kupplungsebene:22 150254,6254,5
Länge über Kasten:21 930252,1252,3
Höhe Dach über SO4 10047,147,2
Breite Fahrzeugkasten:2 81432,332,6
Abstand Kupplungsebene/Drehzapfen Drehgest. hinten:3 13036,035,7
Drehzapfenabstand:14 000160,9161,0
Drehgestell-Achsabstand:3 00034,534,2
Raddurchmesser:92010,610,2
Länge über Kupplungsebene/Mitte Jacobsdrehgestell:21 845251,1256,6
Länge über Kasten:21 485247,0246,6
Breite Fahrzeugkasten:2 90433,433,2
Höhe Wagenkasten über SO:3 48040,039,7
Abstand Kupplungsebene/Drehzapfen Drehgest. vorne:3 14536,136,1
Drehzapfenabstand:18 700214,9219,5
Drehgestell-Achsabstand:3 00034,534,5
Raddurchmesser:92010,610,2
Abstand Triebkopf/Endwagen:4405,111,0
Abstand Endwagen/Mittelwagen:2803,213,0
Radsatzmaße entsprechend NEM
Radsatzinnenmaß:- 14,3+0,114,4
Radbreite:-2,8min2,8
Spurkranzhöhe:-1,2max1,1
Spurkranzbreite:-0,7-0,90,8

Meßwerte Thalys von Mehano

Gewicht Lok:291 g
Haftreifen:2
Meßergebnisse Zugkraft
Ebene:163 g
3% Steigung:155 g
Geschwindigkeiten (Lokleerfahrt)
Vmax: 199 km/h bei 12,0 V
VVorbild:300 km/h bei 17,5 V
Vmin:7 km/h bei 3 V
Auslauf
aus Vmax:285 mm
aus VVorbild:140 mm
Lichtaustritt
ab:55 km/h bei 5 V
Schwungscheibe
Anzahl:1
Durchmesser: 16,5 mm
Länge:11,0 mm
Ca.-Ladenpreis:
Zweileiter-Gleichstrom:DM 290,-
Mittelleiter-Wechselstrom:DM 345,-

 

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